Rudolf Fürst: Chardonnay Bürgstadter Berg Erste Lage 2023

Rudolf Fürst: Chardonnay Bürgstadter Berg Erste Lage 2023

VDP

Limitiert

Zum Winzer

Chardonnay 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2043
voll & rund
mineralisch
Lobenberg: 95+/100
Parker: 94/100
Suckling: 96/100
Falstaff: 94/100
Deutschland, Franken
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Bürgstadter Berg Erste Lage 2023

95+
/100

Das, was heute Bürgstadter Berg heißt, ist eigentlich Bestandteil des Centgrafenbergs, der dann geteilt wurde in einen Teil Großes Gewächs sowie den anderen Teil, der jetzt diese Erste Lage ist. Der Bürgstadter Berg ist also der größere Rahmen, in dem das Centgrafenberg GG liegt. Alles in extremer Hanglange auf rotem Buntsandstein, alles burgundische Genetik. Der Chardonnay steht in derselben Parzelle, in der auch der Weißburgunder R wächst. Es gibt hier gewisse Kalkanteile, aber deutlich weniger als in den Weinbergen in Astheim, wo Fürsts Chardonnay R wächst. Die Bürgstadter Burgunder sind vom Buntsandstein geprägt, wohingegen die Astheimer Burgunder vom Muschelkalk geprägt sind. Sebastian Fürst hat eine Weile im Burgund bei der Domaine de l'Arlot gearbeitet und dementsprechend folgt er einer sehr burgundischen Machart für seine Chardonnays. Das heißt keine Maischestandzeit, Anquetschen der Trauben mit den Füßen und dann langsame, oxidative Pressung. Direkte Überführung ins Barrique zur Vergärung und dortiger Verbleib für circa ein Jahr. Danach nochmal ein halbes Jahr im Stahltank mitsamt der vollen Hefe zur Präzisierung der Frucht, hier findet dann auch viel Autolyse statt. Anschließend dann weiteres Flaschenlager im Weingut vor dem Verkauf. Ja, wenn man hier hinein riecht spürt man den burgundischen Touch des Ausbaus sofort, sehr fein verwobenes Holz mit noblen, rauchigen Reduktionsnoten, darunter tiefe, weiße und gelbe Frucht mit steiniger Unterlegung. Ich hätte nicht so wahnsinnig viel Spannung in 2023 erwartet, diese kühle Dramatik. Er ist sehr konzentriert und fest, zeigt nur wenig Frucht in der Nase. Was für ein irre guter Kräuter-Säurekick hintenraus, ist dunkler und fordernder als die kalkigeren Astheimer. Fürst etabliert sich neben Huber, Becker und Ziereisen zu einer Instanz für großen Chardonnay.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

94
/100

Parker über: Chardonnay Bürgstadter Berg Erste Lage

The intensely yellow-colored 2023 Chardonnay Bürgstadter Berg 1G is very intense and almost rich on the deep, dense and saline as well as aromatic, almost tropical and quite generous, highly attractive nose that shows pineapple and ripe lemon notes. Full-bodied, elegant and creamy on the palate, this is a finely textured, complex, stimulating saline and mineral Chardonnay with some hedonistic features and mouthwatering grip on the persistently saline finish. It's a super value. 12.5% stated alcohol. Diam 10 cork. Tasted in October 2025.,,

96
/100

Suckling über: Chardonnay Bürgstadter Berg Erste Lage

This cool and elegant chardonnay has terrific wet-stone character and mineral energy on the concentrated, very focused, medium-bodied palate. It shows mountain stream freshness. Fermented and matured on the lees for 15 months in barrique casks, then bottled unfiltered. Drinkable now, but best from 2026.,,,

94
/100

Falstaff über: Chardonnay Bürgstadter Berg Erste Lage

Gewisse Reduktionsnote in der Nase, die nach einiger Zeit abnimmt und den Platz freimacht für einen feinen Holzeinfluss, für Heu und Fenchel. Im Mund mittelgewichtig, ideal ausgewogen zwischen Säure und Struktur, eleganter Fluss, vor allem auch sehr viel Saft. Souverän.,,

Mein Winzer

Rudolf Fürst

Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.

Chardonnay Bürgstadter Berg Erste Lage 2023