Roberto Voerzio: Barolo Rocche Annunziata 2022

Roberto Voerzio: Barolo Rocche Annunziata 2022

Holzkiste

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2045
Verpackt in: 6er OHK
voluminös & kräftig
tanninreich
strukturiert
Lobenberg: 96–97/100
Suckling: 97/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Rocche Annunziata 2022

96–97
/100

Rocche Annunziata ist die tiefstgelegene Lage von Voerzio auf 250 bis 300 Höhenmetern. Sie liegt da, wo Altare seine Weinberge hat, quasi auf der anderen Hangseite des Arborina. Das nächste kleine Tal hat eine Amphitheater-Form, deshalb ist es hier deutlich wärmer, und trotzdem ist die Lage Rocche Annunziata einer der elegantesten Weinberge überhaupt. Die Böden sind einzigartig mit einem höheren Anteil an Sand, der zu dem seidigen und würzigen Charakter und der Finesse des Weins beiträgt. Roberto Voerzio arbeitet biodynamisch, aber ohne Zertifizierung. Im Weinberg gibt es winzige Erträge von klar unter 20 Hektolitern pro Hektar, häufig sogar nur 15 oder gar 10 Hektoliter. Es sind extrem stammnahe, winzig kleine Träubchen. Die 1,3 Hektar Reben stehen in einer Dichtpflanzung von 10.000 und mehr Stöcken pro Hektar und sind im Durchschnitt um die 30 Jahre alt, hauptsächlich auf sandigen Böden. Der Ertrag pro Pflanze liegt damit zwischen 300 und 500 Gramm. Normalerweise reduziert Roberto die Weinstöcke auf fünf Trauben pro Rebe. Zusätzlich werden die Trauben mittig halbiert, sodass nur die Schultern und der mittlere Teil in den Wein kommen, die untere Spitze wird abgeschnitten. In warmen Jahren reduziert Roberto sogar auf vier Trauben pro Stock, der durchschnittliche Ertrag liegt dann bei circa 400 Gramm pro Pflanze. Diese Ertragsreduzierung soll aber nicht die Intensität erhöhen, sondern saftige Frucht mit genialer Balance erreichen. Nur Spontanvergärung mit wilden Hefen. Wie alle Weine Voerzios zu 100 Prozent entrappt und dann zwei Jahre in burgundischen Fässern aus sehr dicht porigem Holz, das minimal getoastet wurde, ausgebaut. 20 bis 25 Prozent der Fässer sind neu, der Rest wurde maximal sechs Mal befüllt. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit Himbeere und etwas Orange. Die Nase ist ein Elixier und eine aromatische Explosion im Glas! Moschus zusammen mit süßer Vanille und ätherischen Kräutern. Im ersten Moment ist sie sehr intensiv und direkt, aber dann scheint sich dieser Wein verspielt und vornehm zurückzuziehen. Duftende provenzalische Seife, viel reife Himbeere und rote Kirsche, auch ein Hauch Orangenabrieb kommt erfrischend hinzu. Im Mund bringt dieser Rocche konzentrierte, reife Kirschfrucht auf die Zunge. Er ist sozusagen eine Essenz von Kirschen. Dann kommen die monumental vielen griffigen Tannine des Weins mit harmonischer Frische zum Vorschein. Hier ist nichts warm oder überreif, wie man das vielleicht vom Jahrgang 2022 erwarten würde, sondern der Wein ist sogar großartig spannungsgeladen. Weißer Pfeffer und zarte braune Gewürze schweben über die Zunge. Dieses Jahr ist der Rocche dell’Annunziata einer der besten Weine des Jahrgangs von Roberto Voerzio! Milchschokolade und ein Hauch Creme Caramel im Nachhall, inklusive einer Brise Lecker-Gen. Ein wohldefinierter, eleganter Rocche. Der Wein wurde Ende August 2025 abgefüllt und ich probiere ihn zwei Monate später, Ende Oktober 2025. So kurz nach der Abfüllung ist zu erwarten, dass die Tannine den Wein noch dominieren, allerdings vermute ich, dass er mindestens 4-5 Jahre benötigen wird, bis seine Tannine voll integriert sein werden und somit benötigt er etwas mehr Zeit als die meisten Weine des Jahrgangs um in sein ideales Trinkfenster zu gelangen.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

97
/100

Suckling über: Barolo Rocche Annunziata

A restrained wine with leafy lightness and a fresh profile, showing peppermint, balsamic, strawberries and bergamot. Full-bodied with firm yet velvety tannins, austere enough for a young Barolo. Tense, woven and muscular, yet juicy and long with a harmonious finish. Try from 2027.

Mein Winzer

Roberto Voerzio

„Der Barolo, den ich anstrebe, soll ein strenger Wein sein, komplex an der Nase und am Gaumen sehr feurig. Man soll verstehen, dass er Frucht bester Weinberge ist, geduldiger und emsiger Arbeit, großer Leidenschaft, in großer Einfachheit und mit Respekt vor der Natur.“ (Roberto Voerzio)

Barolo Rocche Annunziata 2022