Der Monte Vacano kommt aus einem winzigen Teil des Weinbergs des Kiedricher Gräfenberg GGs. Letzteres besteht in guten Jahren schon mal aus vierzigtausend Flaschen. Davon macht die Parzelle 'Lay', oder eben auch »Monte Vacano« gerade einmal 0.5 Hektar aus. Emilie Weil, die Frau Robert Weils, setzte 1875 ihre komplette Mitgift aus der lombardischen Familie der Vacanos ein, um diese teuerste Parzelle einbringen zu können. Keine 2000 Flaschen aus niedrigstem Ertrag aus einem der kühlsten Filetstücke mit uralten Reben wurden immer schon separat gelesen und vinifiziert. Es ist der steilste Teil des Kiedricher Bergs im Übergang vom Gräfenberg zum Turmberg mit dem höchstem Phyllit-Schieferanteil. Abgefüllt bis 1921 zum ausschließlichen Verzehr im Kreise der Weils und Vacanos, dann endete die Tradition. Danach weiter separat vinifiziert aber bis 2017 Teil des GGs Gräfenberg. Der Monte Vacano wird in 1200 Liter Stückfässern aus Taunuseiche ausgebaut. Die Fässer sind rund 30 Jahre alt, aber sie wurden, bevor der Monte Vacano hineingelegt wird, frisch abgehobelt und geben somit wieder einen gewissen Holztouch ab. Das ist bewusst so gewollt und wird jedes Jahr aufs Neue so gehalten. Entsprechend eine leichte Holzunterlegung in der Nase, die aber ganz fein in diesen engmaschigen, festen Kern des Weines verwoben ist. Toller Riesling-Duft, der fast einen kleinen Touch Chablis-, also Chardonnay-Assoziation gibt, mit diesem feinen Holzeinsatz. 2024 war ein regenreicherer und kühlerer Jahrgang, der eine wunderbare Eleganz und Stringenz hat. Es ist stilistisch nicht so weit vom herausragenden 2023 entfernt, genauso kristallin und strahlend, nur noch feiner, noch kühler, noch zwingender. 2024 ist ein Fest für Liebhaber von urklassischem Rhein-Riesling mit der Brillanz der Moderne. Im Charakter nicht weit von 2008 oder 2004, aber schon klar eleganter und präziser als damals, auch weil der Wein trockener ist. Das ist die Renaissance von ganz großem, klassischem Rhein-Riesling. Tief und sehnig, straff und kühl, so eng in sich verwoben, dass es kracht. Elektrisierende Salzigkeit, die sich mit graphitiger Spur über die Zunge zieht. Abgrundtief dunkel in seiner Mineralik, dann schiebt die feine Cremigkeit darüber. Getoastetes Brioche, Quitte, Williamsbirne, so köstlich, so fein. Und doch steht er felsenfest am Gaumen. Die Struktur ist atemberaubend. Dass 2024 eine ähnliche Dichte wie 2023 hat, ist schon sehr verblüffend, ist sogar fast noch straffer in sich verwoben. Ein unbeweglicher Riesling, der alle Sinne bewegt. Gehört wie jedes Jahr zu den größten Rieslingen, die im Rheingau geerntet wurden.