Ein echtes Unikat. Roagna vinifiziert kleine Mengen eines Chardonnay-Blends mit 25 Prozent weiß gekeltertem Nebbiolo. Ganztraubenpressung, leichte Sedimentation und dann wird der Most oxidativ behandelt und im Holz vergoren, anschließend beinahe zwei Jahre lang im großen 25 HL Fass ohne Abzug auf der Feinhefe ausgebaut. Das ergibt einen extrem eigenständigen, sehr markanten Weißwein, der unmissverständlich klar Italien zuzuordnen ist. Der Wein ist knochentrocken und spielt ein wenig mit der dezenten Bitternote, die vielen Weißweinen Italiens eigen ist und so gut zur Küche mit Artischocken und Zitronen passt. Zartes, leuchtendes Zitronengelb mit einem Hauch Grün. Erfrischende Amalfi-Zitrone, Eisenkraut, Salbei, Zitronenmelisse, gelbe Birne und Steinobst. Im ersten Moment ist dieser Solea eher zart und verspielt und die schwebende Aromatik beinahe schüchtern. Luca Roagna möchte diesem Wein das Zeug dazu geben, ein paar Jahre im Keller reifen zu können. Im Mund ist er zugleich saftig als auch linear und selbstbewusst. Erfrischendes Orangengranité und wieder vielschichtige Kräuter auf herrlich saftiger gelber Frucht. Der Wein ist kraftvoll, aber nicht schwer, denn seine zarte Haptik verleiht ihm nicht nur seine wunderbare Tiefe, sondern auch Flügel! Die exotischen Aromen gehen in Richtung reifer Ananas, frischer Haselnuss mit salziger Mineralik. Trotz des warmen Jahrgangs blieb der Alkoholgehalt hier unter 13% Vol. und der Wein hat eine zudem wunderbare Frische. Daneben probiere ich den Solea 2013, der beinahe burgundische Züge aufweist in seiner zart rauchigen, steinigen Mineralik. Der Wein offenbart auch etwas duftendes rotes Leder, Käserinde und einen Hauch Vanille. Der Jahrgang 2023 erinnert Luca Roagna an diesen 2013er, der in diesem jungen Stadium ebenfalls salzig mit viel feinschichtiger Würze von Vanille und Orangensalz auf die Zunge trat. Ein großartiger Weißwein, der definitiv mit Reifepotenzial ausgestattet ist und sogar von Flaschenreife profitiert und trotz seiner Größe mit Sicherheit im ersten Moment unterschätzt werden könnte – hier sollte man schon genau hinhören, was dieser Wein zu sagen hat, denn er hat es verdient!