Rings: Spätburgunder Kallstadt Ortswein 2022

Rings: Spätburgunder Kallstadt Ortswein 2022

BIO

VDP

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2024–2040
strukturiert
Lobenberg: 95/100
Vinum: 94/100
Suckling: 92/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Kallstadt Ortswein 2022

95
/100

Lobenberg: In den Kallstadter Ortswein wandern die jüngeren Anlagen und auch abgestufte Fässer aus den GG-Parzellen des Saumagens und des Steinackers. Wir haben hier also quasi den Zweitwein aus diesen beiden Lagen und damit das perfekte Bindeglied zwischen Gutswein und Erster Lage, wobei er qualitativ schon deutlich näher am Level einer ersten Lage ist. Schade, dass die Kategorie der Ortsweine manchmal etwas unterschätzt wird, vor allem in Deutschland. Wer würde schon an einem großartigen Chambolle-Musigny in diesem Preisbereich vorbeigehen?! Der Kallstadter »Village« strahlt eine super feine Kirschfrucht aus. Schwarzkirsche, rote Kirsche, zarte Walderdbeere. Alles leicht floral unterlegt. Ungemein präsent und offen, charmant, die Nase umarmend mit seiner satten, samtigen Frucht. Etwas Himbeere und Blaubeere dazu. Alles umrahmt von feinem Rauch, dunklem Gestein, etwas Holzwürze und geflämmten Kräutern. Im Mund dann so charmant, so fein, so unglaublich elegant. Satte Frucht belegt den gesamten Mundraum. Reife, sanfte Tannine laufen auf der Zunge entlang. So saftig, so wunderbar grazil verpackt. Und dann – plötzlich kommt eine kalkige, vibrierende Ader angerauscht, die einen förmlich umhaut. Wow, was für ein irres Spiel mit der Mineralität, was für ein Dampf hier hinter ist. Die Faust im Samthandschuh, passender kann man es nicht ausdrücken. Diese Brillanz zieht den Wein in eine unheimliche Länge. Was für ein genialer Village-Wein mit großem Potenzial!

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

94
/100

Vinum über: Spätburgunder Kallstadt Ortswein

-- Vinum: Opulente Nase. Von leichter Reduktion geprägt, schwarze Kirschen, luftgetrockneter Schinken, getrocknete Tomaten, geröstete Pinienkerne. Animierender Duft, der am Gaumen intensiver wird. Im Mund tiefe schwarze Frucht mit perfektem Eichenholz, das noch deutlich im Vordergrund steht, aber auf eine grosse Zukunft hindeutet. Reifer Gerbstoff und fein abgestimmte Säurestruktur.

92
/100

Suckling über: Spätburgunder Kallstadt Ortswein

-- Suckling: A highly structured and quite concentrated village wine with a wealth of spice, savory and sour cherry aromas. Plenty of smoky character from new oak, but this medium-bodied Pfalz pinot noir carries it very well. A compact, savory and chalky finish. From organically grown grapes. Bottled unfiltered after 18 months of maturation in barrels. Drink or hold.

Mein Winzer

Rings

Seit 2008 sind die beiden jungen Brüder Steffen und Andreas Rings für das elterliche Weingut verantwortlich. Es folgte ein kometenhafter Aufstieg, ähnlich dem von Kai Schätzel, der 2015 in der VDP-Mitgliedschaft seinen zwischenzeitlichen Höhepunkt fand.

Spätburgunder Kallstadt Ortswein 2022