Das Weingut Poggio Antico produziert lediglich in herausragenden Jahrgängen eine Riserva – und zwar genau dann, wenn die besten Parzellen eine besondere Energie und Konzentration in den Trauben hervorbringen. Der Wein stammt also nicht zwingend aus einer Einzellage (obwohl das de facto in manchen Jahrgängen der Fall ist), sondern ist vielmehr ein Abbild der besonderen Eigenschaften des jeweiligen Jahrgangs. Die Reben des Weinguts stehen auf über 500 Höhenmetern in Süd- und Westexposition auf kargen, kieshaltigen und steinigen Böden, denen durch gezielte Begrünung mit Kräutern und Nutzpflanzen je nach Jahrgang die nötigen Nährstoffe zugeführt werden. Wie immer bei Poggio Antico wird ausschließlich biologisch bewirtschaftet. Nach der sorgfältigen Handlese und strenger Selektion werden die Trauben im Beton vergoren und anschließend ungefähr 18 Tage lang auf der Maische belassen. Der 30-monatige Ausbau erfolgt in 25 Hektoliter fassenden Fässern aus französischer Eiche. Der Wein zeigt sich in elegant leuchtendem Rubinrot mit einem Hauch von Orange. Die Nase ist perfekt abgestimmt und wunderbar harmonisch – ein Sammelsurium aus ätherischen Kräutern, Salbei, kubanischem Tabak und würzigem Lakritz auf einer immens attraktiven, saftigen roten Kirschfrucht. Schon sein schwebendes, vielschichtiges Bukett verleiht dem Wein einen fast cremigen Eindruck. Am Gaumen erstaunt die knackige, geradeauslaufende Frische dieser Riserva, die in eine immens attraktive Saftigkeit übergeht. Reife, strukturierte Tannine und eine präzise Säure bilden das Rückgrat. Dabei präsentiert sich dieser Jahrgang schon vor seinem Release (im Alter von fünf Jahren, bei meiner Probe im November 2025) wunderbar schwebend, tänzelnd und zugänglich. Lediglich im Nachhall könnte dieser wunderbare Stoff noch einen Moment länger verweilen – daher erhält er trotz seiner unbestreitbaren aromatischen Schönheit keine noch höhere Punktzahl.