Nachdem die Erträge 2019 und 2020 eher gering ausfielen, gibt es seit 2021 endlich wieder großzügigere Ernte. Die 24 Jahre alten Garnacha-Reben stehen in der Parzelle »Finca Planetes« auf 450 Höhenmetern in Nordost-Ausrichtung. Der Schieferboden ist dort stark mit Eisen durchzogen. Wie immer bei Nin-Ortiz wird kompromisslos biodynamisch bewirtschaftet. Die Trauben werden bei der Lese streng selektiert, direkt gepresst und mit wilden Hefen angegoren. Bei einem Restzuckergehalt von circa 16 Gramm wird der Wein abgefüllt. In der Flasche setzt sich die Gärung fort, bis der Zucker vollständig in Alkohol und CO2 umgewandelt wurde, welches dann im Wein gebunden bleibt. Vor seinem Release verblieb dieser »PET-NAT« 18 Monate lang auf der Hefe in der Flasche – das allein ist schon vielversprechend, wenn man bedenkt, dass die Mindestreifezeit auf der Hefe bei jahrgangslosem Champagner 15 Monate beträgt. Bei der »Methode Ancestral« wird nach der Gärung in der Flasche nicht degorgiert, daher sind die Weine sozusagen unfiltriert. Der Wein steht in wolkigem Altrosa mit Reflexen roter Kirsche im Glas. Ganz zarte Bläschen steigen empor. War der weiße Ancestral »Selmot« bereits attraktiv und verführerisch, so ist dieser Stoff ein echter Knaller! Er erinnert im ersten Moment an einen Negroni in Schaumweinform! Konzentrierte Blutorange springt aus dem Glas, gefolgt von knackigen Noten wie Cranberry, reifer roter Kirsche, Walderdbeere und wildem Weinbergspfirsich sowie würzig-erfrischenden Aromen von Himbeerstrauch und Spearmint. Die cremigen, hefigen Noten gehen in eine zart rauchige Würze mit einem Hauch Szechuan-Pfeffer, Wacholder und Piment über. Auch mineralisch hat dieser Wein einiges zu bieten – die Nase erinnert an braunen Ton und eisenhaltigen Schiefer. Die zarte Perlage ist im ersten Moment superfein und cremig. Doch dann schlägt die zitrische Frische in Form von dezent bitterer Blutorange (inklusive Schale) und Blutpfirsich voll zu. Auch hier kommt mir wieder ein schwebend leichter Negroni-Schaumwein in den Sinn. Genial – der nächste Schluck lässt nicht lange auf sich warten. Ein höchst animierender Aperitif und alles andere als ein weiterer belangloser Pet Nat, den die Welt nicht braucht!
2024 startete mit viel Wasser ins Jahr, hervorragende Auffüllung aller Speicher. Das Frühjahr brachte immer noch Regen und manchmal Kühle, Verrieselung der Blüte und Kampf gegen Pilze. Das bedeutet insgesamt geringer Ertrag. Ein moderater Sommer war perfekt für ein frisches Ergebnis, im Spätsommer und Herbst folgten einige Regenfälle. Wer vor der zweiten Oktoberwoche mit den schweren Regenfällen alles gelesen hatte (ALLE Topwinzer lesen inzwischen spätestens Anfang Oktober) hatte ein superbes Ergebnis. Rassige, frische Weine wie 2021, Cool Climate, vibrierende Rotweine und aufregende Weißweine. 2024 ist bei den besten Winzern Spaniens ein großes Jahr wie 2021. Schlanker und kühler als das opulentere 2023, reifer und zugleich frischer als das überheiße und blockierte 2022, aufregender und vibrierender als 2018 bis 2020. In der Klasse sicher so groß wie 2016 und 2019, eher noch etwas spannender und schicker, wie gesagt mit sehr viel Parallelen zu 2021.