Nervi - Giacomo Conterno: Gattinara 2022

Nervi - Giacomo Conterno: Gattinara 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2038
fruchtbetont
frische Säure
seidig & aromatisch
Lobenberg: 95+/100
Suckling: 96/100
Jeb Dunnuck: 94/100
Galloni: 93/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Gattinara 2022

95+
/100

Dieser Gattinara von Nervi stammt aus dem Herzen des Alto Piemonte. Seitdem das Weingut Nervi 2018 von Roberto Conterno (vom gefeierten Weingut Giacomo Conterno) gekauft und übernommen wurde, sind die Weine hier in andere Sphären abgehoben. Dabei sind auch die berühmten Lagen Molsino und Valferana hoch über dem Fluss Sesia auf bis zu 420 Höhenmetern gelegen. Das Terroir ist nicht wie beim Schwesterweingut in Monforte von Lehm und Kalkstein geprägt, sondern von eisendurchzogenem, vulkanischem Porphyr und Gneis. Der Ausbau erfolgt wie immer bei Roberto Conterno sehr traditionell. Die lange Maischegärung von bis zu 30 Monaten findet im Edelstahltank statt. Anschließend folgt der 30-monatige Ausbau in großen, neutralen slawonischen Eichenholzfässern. Dieses Jahr hat der Wein ein erstaunlich zartes Rubinrot mit Orange am Rand. Reichhaltig duftende, wunderbar aromatische Nase von intensiv saftiger, perfekt ausgereifter Kirsche, ätherischer Kräuterwürze, Orangenschale, blondem Tabak. Alles ist wunderbar schwebend, vielschichtig und dabei auch ultra klassisch. Teer, rote Johannisbeeren, Zedernholz, Blut, frisches Fleisch, ein Hauch weiße Lakritz und zart schwebende Blüten. Was für eine herrliche, betörende Nase! Eine Burgundische Schönheit! Im Mund schwebt der Wein tänzelnd über die Zunge, die geschliffenen, eleganten Tannine sind beinahe pudrig. Rote Johannisbeeren auf einer salzigen Würzwelle. Ein Hauch Zimt und braune Gewürze mit ausgeglichener Frische und zarter Kalkigkeit, cremige Milchschokolade im Nachhall. Ein erdiger, vielschichtiger Volnay aus Gattinara!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

96
/100

Suckling über: Gattinara

A graceful and perfumed wine with aromas of peaches, wild strawberries, Parma violets, cherry pits and rhubarb with a touch of smoke. Firm and bony on the full-bodied palate, with tense, velvety, slightly dusty tannins. Polished and sleek finish. Drink or hold.

94
/100

Jeb Dunnuck über: Gattinara

The 2022 Gattinara pours a pale red-orange hue and shows an appealing, light-on-its-feet profile. Aromas of orange peel, tangerine, cranberries in pastry, and delicate spice emerge from the glass. Medium-bodied, it combines clarity of fruit with well-defined structure and refreshing acidity. This is a particularly attractive and approachable expression of the appellation that also delivers strong value. Drink 2026-2040.

93
/100

Galloni über: Gattinara

The 2022 Gattinara delicate and finessed from start to finish. Crushed flowers, bright red-toned fruit, chalk, mint and white pepper give the 2022 striking aromatic top notes. Medium in body and nuanced, the 2022 is a captivating Gattinara that will drink well right out of the gate. Its balance is exquisite.

Mein Winzer

Nervi – Giacomo Conterno

Roberto Conterno, Inhaber des Kultweinguts Giacomo Conterno in Monforte d’Alba, hat mit der Azienda Vitivinicola Nervi ein historisches Spitzenweingut im Norden Piemonts übernommen.

Gattinara 2022