Meyer-Näkel: Spätburgunder Dernauer Blauschiefer Ortswein 2023

Meyer-Näkel: Spätburgunder Dernauer Blauschiefer Ortswein 2023

VDP

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2038
seidig & aromatisch
fruchtbetont
pikant & würzig
Lobenberg: 94+/100
Jancis Robinson: 17/20
Gerstl: 18+/20
Deutschland, Ahr
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Dernauer Blauschiefer Ortswein 2023

94+
/100

Handlese aus Schiefer-Steillagen in kleine Boxen. Keine zu lange Maischegärung von etwas über zwei Wochen, dann Ausbau in zwei- bis vierjährigen Barriques für zehn Monate. Der Blauschiefer ist der Ortswein aus Dernau. Dernau ist etwas kühler, weil es etwas weiter im engeren Tal liegt. Erst hinten bei Bad-Neuenahr geht das Tal dann auf und es wird exponierter. Der Wein kommt aus terrassierten Steillagen. Das ist grade in einem heißen Jahren natürlich ein großer Vorteil. Es gibt hier nur noch rund 20 Prozent Neuholz, eben weil es so unglaublich filigran ist. Näkels fahren das Holz in diesem Wein immer mehr zurück. Entsprechend spannungsgeladen und energetisch ist der Duft von roten Beeren, Sauerkirsche, Sanddorn und Orangenschale. Auch ein bisschen Mango. Diese Exotik habe ich in 2023 recht oft gefunden, das trägt noch weiter zur hohen Spannung des Jahrgangs bei. Im Mund sehr konzentriert und versammelt, überzieht die Zunge mit feinster Pfeffrigkeit und Schieferwürze, sehr griffig, wunderbar polierte Tannine. Wahnsinnig viel Energie im Mund, salzig, pikant, straff im Antrunk. Das ist kein Schmusewein, sondern eine Terroirexpression sondergleichen. Das ist für mich sogar noch einen Ticken spannender als 2022, weil es weniger monolitisch lecker, sondern straffer und eleganter ist, dabei aber fast genauso viel Power hat. Was soll man dazu noch mehr sagen als dass es ein Ahr-Ortswein nahe der Perfektion ist, wenn man denn diese hochfeine Steillagen-Stilistik schätzt.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

17
/20

Jancis Robinson über: Spätburgunder Dernauer Blauschiefer Ortswein

This is pure 'Pinot slate'. Smoky, ethereal and evergreen, with an earthy foundation of forest floor. Black pepper and liquorice. Supple with lively acidity and framed by elegant tannins.

18+
/20

Gerstl über: Spätburgunder Dernauer Blauschiefer Ortswein

Die Trauben stammen aus mehreren Weinbergen, deren Reben alle tief in blauen Schieferböden wurzeln. Das zeigt sich bereits im Bouquet mit viel Würzigkeit und dunkler Mineralität. Dazu schwarze Kirschen und frische Zwetschgen, herrlicher Pinot-Duft! Präsentiert sich auch im Mund von der “kühlen” Seite und besitzt ein tolles Wechselspiel aus eleganter Frucht und kerniger Struktur. Saftiges, langes Finale mit einer mineralischen Ader. Ein genialer Spätburgunder viel Charakter.

Mein Winzer

Meyer-Näkel

Der Name Meyer-Näkel steht für feinste Spätburgunder von den spektakulären Schiefer-Steillagen der Ahr – das ist bereits seit Jahrzehnten kein Geheimnis mehr. Die Schwestern Maike und Dörte Näkel führen heute erfolgreich in dritter Generation fort, was bereits ihr Vater und Großvater – beides...

Spätburgunder Dernauer Blauschiefer Ortswein 2023