Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches Jahr für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel doch deutliche Einbußen aufgrund des hohen Pilzdrucks, sodass die Mengen unterdurchschnittlich waren. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Das ist Markus Molitors Paradelage, vielleicht neuerdings ein klein wenig im Schatten des Berncasteler Doctor Versteigerungsweins und des Prälats. Aber grundsätzlich ist die Zeltinger Sonnenuhr in der Regel so ziemlich das Beste, was Markus auf die Flasche bringt. Reiner Schiefer, die Reben sind wurzelecht, 80 bis 90 Jahre alt. Als Ganztraube angequetscht, bis zu einem Tag auf der Maische gelassen, langsam abgepresst und dann im Holzfass spontanvergoren. Der Wein hat wie in den Vorjahren einen sehr moderaten Alkohol von nur 10.5% vol und dennoch viel Intensität, das ist schon famos. Diese Lage ist einfach überragend, das spürt man selbst im Kabinett-Bereich – oder besser gesagt gerade dort. Das ist eben die Zeltinger Sonnenuhr, die Paradelage von Markus. Es ist ein Kabinett und zugleich ist es ein großer Wein, weil ihm eigentlich nichts fehlt und weil es solche trockenen Weine nur an der Mosel gibt. Die Nase ist noch leicht reduktiv, hat eine hohe mineralische Strahlkraft und zeigt nur wenig Frucht, das ist typisch für die Lage. Erst mit der Reife wird es etwas expressiver, aber die Zeltinger Sonnenuhr ist immer ein Mineralhammer. Ein bisschen Zitrusschale, etwas Feuerstein, weißer Pfeffer und Meersalz. Mehr gibt er aktuell nicht preis. Die Spannung ist jedoch gigantisch. Wie kann so viel innere Power in einem so kühlen und schlanken Kabinett stecken?! Im Nachhall treffen sich Salz und eine noble zitrische Bitternis wie von Blutorange, was den Speichel in Strömen fließen lässt. Ausgesprochen animierend, fest und herbsaftig. Die unbändige, dunkle Schiefermineralität der Zeltinger Sonnenuhr setzt sich einfach immer durch. Ein salziger Gesteinshammer ohne Gleichen, vibrierend und energetisch. Power und Eleganz vereint. Ein großes Kabinett für die Ewigkeit!