Markus Molitor: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Kabinett Fuder 6 Weiße Kapsel 2024

Markus Molitor: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Kabinett Fuder 6 Weiße Kapsel 2024

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
10,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2049
leicht & frisch
frische Säure
mineralisch
Lobenberg: 95+/100
Suckling: 94/100
Falstaff: 93+/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Zeltinger Sonnenuhr Kabinett Fuder 6 Weiße Kapsel 2024

95+
/100

Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches Jahr für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel doch deutliche Einbußen aufgrund des hohen Pilzdrucks, sodass die Mengen unterdurchschnittlich waren. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Das ist Markus Molitors Paradelage, vielleicht neuerdings ein klein wenig im Schatten des Berncasteler Doctor Versteigerungsweins und des Prälats. Aber grundsätzlich ist die Zeltinger Sonnenuhr in der Regel so ziemlich das Beste, was Markus auf die Flasche bringt. Reiner Schiefer, die Reben sind wurzelecht, 80 bis 90 Jahre alt. Als Ganztraube angequetscht, bis zu einem Tag auf der Maische gelassen, langsam abgepresst und dann im Holzfass spontanvergoren. Der Wein hat wie in den Vorjahren einen sehr moderaten Alkohol von nur 10.5% vol und dennoch viel Intensität, das ist schon famos. Diese Lage ist einfach überragend, das spürt man selbst im Kabinett-Bereich – oder besser gesagt gerade dort. Das ist eben die Zeltinger Sonnenuhr, die Paradelage von Markus. Es ist ein Kabinett und zugleich ist es ein großer Wein, weil ihm eigentlich nichts fehlt und weil es solche trockenen Weine nur an der Mosel gibt. Die Nase ist noch leicht reduktiv, hat eine hohe mineralische Strahlkraft und zeigt nur wenig Frucht, das ist typisch für die Lage. Erst mit der Reife wird es etwas expressiver, aber die Zeltinger Sonnenuhr ist immer ein Mineralhammer. Ein bisschen Zitrusschale, etwas Feuerstein, weißer Pfeffer und Meersalz. Mehr gibt er aktuell nicht preis. Die Spannung ist jedoch gigantisch. Wie kann so viel innere Power in einem so kühlen und schlanken Kabinett stecken?! Im Nachhall treffen sich Salz und eine noble zitrische Bitternis wie von Blutorange, was den Speichel in Strömen fließen lässt. Ausgesprochen animierend, fest und herbsaftig. Die unbändige, dunkle Schiefermineralität der Zeltinger Sonnenuhr setzt sich einfach immer durch. Ein salziger Gesteinshammer ohne Gleichen, vibrierend und energetisch. Power und Eleganz vereint. Ein großes Kabinett für die Ewigkeit!

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

94
/100

Suckling über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Kabinett Fuder 6 Weiße Kapsel

This delicious and fascinating dry Mosel wine marries light body with lovely, crisp pear fruit plus notes of wild herbs and peaches. Excellent juiciness on the midpalate, then a long, cool and silky finish with a wealth of subtle nuances. Drink or hold.

93+
/100

Falstaff über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Kabinett Fuder 6 Weiße Kapsel

Etwas Hefe, balsamisch-würzige Aromen, Melisse, Weihrauch, Limettenschale. Der Gaumen ist saftig und knackig, sehr leicht im Alkohol und dabei gut in Extrakt und Länge, mit lebendiger Säure und einer betont trockenen Abstimmung. Strahlt große Trinkfreude aus.

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Riesling Zeltinger Sonnenuhr Kabinett Fuder 6 Weiße Kapsel 2024