Eine Fassprobe mit John Kongsgaard ist ein unvergessliches Erlebnis! In seinem einzigartigen Weinkeller, der über eine halbe Autostunde von jeglicher Zivilisation entfernt tief in die Atlas Peak Mountains gegraben ist, herrscht magische Stimmung vor. In Kalifornien genießt John nicht ohne Grund die Reputation des »Meister Yoda der Kleinstvergärung im Holz mit spontanen Hefen« – die Vielschichtigkeit und Komplexität jedes einzelnen Fasses ist schlichtweg atemberaubend. Neben den wenigen Fässern »The Judge«, Johns ultraseltenem Top-Wein, über den Insider gerne sprechen, den aber realistisch nur ganz wenige Glückliche je zu probieren bekommen, schlummert sein ebenso begehrter Napa Valley Chardonnay, ein Blend aus Trauben der berühmten Lagen Hudson und Hyde, die seit dem Jahrgang 2022 noch durch Trauben des herausragenden Coombsville Estate, der noch von der Winzer Legende Warren Winiarski persönlich gepflanzt wurde, erweitert wurde. Die zitrischen Aromen sind unendlich spannungsgeladen, dabei ist die Fruchtaromatik zu Beginn eher verhalten. Grüne Mandeln, gelbes Steinobst – vielmehr aber die Schalen der Frucht mit ihren phenolischen Komponenten: Birnenschalen, Pfirsichschalen und Aprikosenkern. Geißblatt, cremiges Brioche und ein Hauch weißer Honig. Im Mund knistert die salzige Mineralität auf der Zunge, bevor der Wein cremig und fein-würzig die Kehle hinuntergleitet. Absolut beeindruckend! »When Robert Parker was visiting, he called this the Bâtard-Montrachet of Napa.« lächelt John. Dem kann ich nur zustimmen! John Kongsgaards einzigartige Weine werden zu Recht weltweit gefeiert.
Nach drei trockenen Jahrgängen (2020, 2021 und 2022) startete das Jahr 2023 in Kalifornien für die Reben endlich wieder mit ausreichend viel Niederschlag während der Wintermonate, durch den die Wasserreserven der Weinberge größtenteils wieder aufgefüllt werden konnten. Die Temperaturen blieben im Frühjahr lange kühl, was den Austrieb der Reben extrem verzögerte. Zudem beeinträchtigten diese kühlen Frühlingstemperaturen den Fruchtansatz, was je nach Weinberg auf natürliche Art und Weise zu einer niedrigen Erntemenge und somit zu einer größeren Konzentration führte. Durch die Wachstumsperiode hinweg fielen 2023 in guten Abständen Niederschläge, und es gab keinerlei Trockenstress. Der Sommer verlief im Gegensatz zum heißen Vorjahr 2022 mild und die Trauben konnten langsam und gleichmäßig ausreifen. Zugleich konnten sie eine optimale Balance aus Tanninreife, Frucht und Säure erreichen. Im Herbst wurden die angenehmen Tagestemperaturen durch kühle Nächte ausgeglichen – dies bot nahezu perfekte Bedingungen für die Ausbildung eines komplexen Aromenspektrums. Die Weinlese verlief relativ entspannt und konnte ohne Zeitdruck bei idealer Reife durchgeführt werden. Bereits bei der Gärung legten viele Weine eine beeindruckende Intensität an den Tag, wie man sie nur ganz selten erleben kann. 2023 gilt nach 2021 und 2019 wieder als herausragender, großer Jahrgang.