Katharina Wechsler: Riesling Kalk (ehemals Westhofener) 2023

Katharina Wechsler: Riesling Kalk (ehemals Westhofener) 2023

BIO

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2035
frische Säure
mineralisch
Lobenberg: 93+/100
Suckling: 94/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Kalk (ehemals Westhofener) 2023

93+
/100

Die Trauben stammen komplett aus der Großen Lage Kirchspiel. Das heißt es ist eigentlich ein Zweitwein aus dem Kirchspiel und könnte Westhofener aus Ersten Lagen genannt werden, wenn Katharina VDP-Mitglied wäre. Er wächst in Katharinas zwei kalksteinreichsten Gewannen des Kirchspiels. Es geht hier also vordergründig, um den Bodenausdruck des Kalksteins, wie der Name schon verspricht. Sehr weit durchgegoren, fast ganz trocken, irgendwo bei ein paar wenigen Gramm Restzucker. Im Gegensatz zum Lagenwein aus dem Kirchspiel sind wir beim Kalk etwas mehr in der Gelbfruchtigkeit, gehen mehr zur satten Frucht und weniger in die steinige Filigranität. 2023 ist köstlich zugänglich, hat Kumquat und gelben Pfirsich, viel Salz und Frühlingsblumen. Das macht richtig Druck. Die Augen ziehen sich zusammen. Das hat Länge. Ziemlich toller Stoff für einen Ortswein, der schon deutlich die Mineralität und kalkige Struktur des Kirchspiels durchscheinen lässt. Griffig und saftig mit feinem mineralischem Spiel auf der Zunge. .

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

94
/100

Suckling über: Riesling Kalk (ehemals Westhofener)

It’s hard to resist the stunning aromas of ripe nectarines, peaches and mandarin oranges of this beautiful dry riesling. Incredibly vibrant, this is as straight and bright as a laser beam, yet also has a wonderful juiciness. Then comes the tightly intertwined minerality and youthful fruit that propel the very long finish. Exclusively from the Kirchspiel GG site. From organically grown grapes. Vegan. Drink or hold. Screw cap.,

Mein Winzer

Katharina Wechsler

Erst 2010 beschloss Katharina Wechsler ihre Karriere in der Berliner Medienwelt aufzugeben. Zurück zur Scholle auf den elterlichen Hof, in die Heimat Westhofen. Und alles selbst machen, malochen sieben Tage die Woche, nur der Vater hilft mit.

Riesling Kalk (ehemals Westhofener) 2023