Hier ganz im Süden der Côte de Beaune war das Wetter zumindest etwas weniger harsch als an der Côte de Nuits, entsprechend ist die Ernte auch ein bisschen größer ausgefallen, vor allem bei den Weißen. Die Pinot Noirs waren dennoch durchaus betroffen und da hat JM Vincent auch teilweise abgestuft und deutlich weniger erzeugt. Das ist eben sein Qualitätsanspruch, wohl mit der höchste an der Côte de Beaune, das ist echt irre. JM Vincent erinnert es am ehesten an 2012 vom Witterungsverlauf, ebenfalls ein Jahrgang mit hohem Mehltaudruck. Ich bin wirklich erstaunt wie viel Dichte und Kraft der Jahrgang im Süden hier entwickelt hat, zumindest bei den Top-Winzern, die so brutal im Weinberg arbeiten – das war bei Bruno Lorenzon an der Chalonnaise auch so. Kühlerer Sommer, sehr regnerisch, man musste lange auf die Reife zuwarten. Sehr alte Reben auf mergelig-steinigem Ton-Kalkboden auf purem Kalksteinfels im Untergrund. Ein sehr steiniger Weinberg, wie der Name andeutet. Die Nase ist dicht gewirkt und reich, strotzt vor prachtvoller Frucht und Konzentration. Unglaublich wie viel Power und zugleich Delikatesse Jean Marc in seine Weine bringt. Die Beerenfrucht ist einfach köstlich, cremig-dicht und saftig. Der Gravières ist ein großer Stoff, sehr dicht, mit Schlehe, süßen Waldbeeren, Lakritze und frischer Erde. Der Mund ist eine wunderbare Vermählung aus erdig-mineralischer Textur, die ultrafein geschliffen ist, und süßer, hedonistischer Beerenfrucht mit zarter Schwarzkirschfrische darunter. Gar nicht so unähnlich zu 2023, aber mit etwas mit Säurekick und Frische in der voluminösen Beerenfrucht. Ich weiß nicht genau, wie JM Vincent dem kühleren, eher zarten Jahrgang so viel Power abverlangt hat, aber sein Weinbau ist eben einfach next Level. Ein sehr beeindruckener Pinot Noir, kühl und klassisch und zugleich total unique in Santenay.
2024 markiert die Rückkehr zu einem sehr klassischen, fast schon nostalgischen Stil. Die Weine sind deutlich kühler, straffer und mineralischer als in den Vorjahren. Mit moderaten Alkoholgraden zwischen 12 % und 13 % vol. erinnert der Jahrgang an die »gute alte Zeit« des Burgunds. Besonders die Weißweine bestechen durch einen laserartigen Fokus und eine berstende, kristalline Mineralität, die an das exzellente Jahr 2014 erinnert. Ein Jahrgang für Puristen, die Struktur und Kante über cremigen Charme stellen. Der Jahrgang 2024 war ein hartes Stück Arbeit für die Winzer. Starke Frostschäden und ein sehr regenreiches Frühjahr und massiver Mehltaubefall führten zu drastischen Ertragseinbußen, besonders an der Côte de Nuits. Ein »goldener September« rettete zwar die Qualität der verbliebenen Trauben, doch die Mengen bleiben extrem klein. Die Qualität variiert stark je nach Lage und Geschick des Winzers. Wer jedoch bei den Top-Produzenten fündig wird, erhält tiefgründige, charakterstarke Weine von großer Eigenständigkeit und Raritätswert.