Hier ganz im Süden der Côte de Beaune war das Wetter 2024 zumindest etwas weniger harsch als an der Côte de Nuits, entsprechend ist die Ernte auch ein bisschen größer ausgefallen, vor allem bei den Weißen. Die Pinot Noirs waren dennoch durchaus betroffen und da hat JM Vincent auch teilweise abgestuft und deutlich weniger erzeugt. Das ist eben sein Qualitätsanspruch, wohl mit der höchste an der Côte de Beaune, das ist echt irre. JM Vincent erinnert es am ehesten an 2012 vom Witterungsverlauf, ebenfalls ein Jahrgang mit hohem Mehltaudruck. Ich bin wirklich erstaunt wie viel Dichte und Kraft der Jahrgang im Süden hier entwickelt hat, zumindest bei den Top-Winzern, die so brutal im Weinberg arbeiten – das war bei Bruno Lorenzon an der Chalonnaise auch so. Der Weinberg wurde 1937 gepflanzt, das ist JM Vincents älteste und beste Chardonnay Genetik. Dichtpflanzung von 12000 Reben pro Hektar, kein Laubschnitt und hohe Laubwände. Diese alte Genetik ist herausragend, sagt JM Vincent, er hat sogar eine Massale Selection davon gezogen. Biologische Bewirtschaftung. Das war am Anfang so eine Art Signature-Wein von JM Vincent, in Paris reden immer noch alle Somms von Les Hautés. Diese uralte Genetik produziert wirklich feine Weine. Das ist ein stromlinienförmiger, perfekt geschliffener Wein in 2024. Er hat weißen Pfirsich, Eisenkraut, Pfefferminze und Amalfizitrone über einem dichten Schleier aus Hefegebäck und salzigem Kalkstein. Wahnsinnig elegant und feingliedrig trotz seiner profunden Power. Diese intensive Minze steht für Minuten im Mund. Unglaublich. Ein genialer Chardonnay, wirklich ein Kracher! Ich wüsste nicht, wer sonst noch so intensive Chardonnays aus Auxey macht. Das ist mit der beste Weißwein bei JM Vincent im Keller – unterm Radar für Insider.
2024 markiert die Rückkehr zu einem sehr klassischen, fast schon nostalgischen Stil. Die Weine sind deutlich kühler, straffer und mineralischer als in den Vorjahren. Mit moderaten Alkoholgraden zwischen 12 % und 13 % vol. erinnert der Jahrgang an die »gute alte Zeit« des Burgunds. Besonders die Weißweine bestechen durch einen laserartigen Fokus und eine berstende, kristalline Mineralität, die an das exzellente Jahr 2014 erinnert. Ein Jahrgang für Puristen, die Struktur und Kante über cremigen Charme stellen. Der Jahrgang 2024 war ein hartes Stück Arbeit für die Winzer. Starke Frostschäden und ein sehr regenreiches Frühjahr und massiver Mehltaubefall führten zu drastischen Ertragseinbußen, besonders an der Côte de Nuits. Ein »goldener September« rettete zwar die Qualität der verbliebenen Trauben, doch die Mengen bleiben extrem klein. Die Qualität variiert stark je nach Lage und Geschick des Winzers. Wer jedoch bei den Top-Produzenten fündig wird, erhält tiefgründige, charakterstarke Weine von großer Eigenständigkeit und Raritätswert.