Holger Koch: Chardonnay Reserve 2024

Holger Koch: Chardonnay Reserve 2024

Zum Winzer

Chardonnay 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2049
voll & rund
mineralisch
Lobenberg: 95–97/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Reserve 2024

95–97
/100

Der Chardonnay Reserve ist Holgers Flaggschiff, er stammt aus einem anderen Weinberg als der Chardonnay***. Das ist immer der noch dichtere, konzentriertere, beeindruckendere Wein, der aber trotzdem niemals ins »fette« abdriftet, sondern immer elegant bleibt. Schon ein satter Schub in der Nase, gelbfruchtig, druckvoll und voluminös, mit voller Pracht des Chardonnays. Gelber und weißer Pfirsich, ganz leichte Exotik von Mangoschale und gelbe Melone, aber sehr fein dabei. Auch steinige Anklänge. Alles ist umrahmt von dezenter Würze aus dem Holz, auch etwas heller Tabak. Erinnert ein bisschen an Puligny-Montrachet in dieser satten Frucht und steiniger Mineralität. Am Gaumen kommt eine schöne Grapefruitfrische dazu, die dem Ganzen einen schönen Kick gibt. Eine ätherische grüne Note nach Zitronenmelisse, Eukalyptus gibt fast einen Wink in Richtung kühle Küstenlage in Sonoma, Kalifornien. Hochfein und saftig, die Säurespur feinziselisert mit dem cremigen, aber überhaupt nicht fetten Körperbau verwoben. Der Wein hat verblüffenderweise mehr Intensität, mehr Dichte und Druck, aber wirkt zugleich fast filigran, leichtfüßiger und trinkfreudiger als der Selektionswein. Schwerelose Kraft. Ja, das ist wie ein feiner Puligny-Montrachet. Ein bisschen Orangenzeste und Grapefruit im Nachhall, feines Salz. Langes, langes Finale, das gar nicht mehr von der Zunge weicht. Steht für Minuten im Mund. Ich kann sehr gut verstehen, warum Holger Koch diesen Wein zu seiner Reserve kürt – hier ist richtig Musik im Glas, vibrierend und wunderbar delikat zugleich.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Mein Winzer

Holger Koch

Holger Kochs Weingut befindet sich in Vogtsburg am Kaiserstuhl. Seine Weinberge aber vollständig im kühleren, höher gelegenen Bickensohl. Holger ist absoluter Spezialist für trockene Burgundersorten. Seine Weiß- und Grauburgunder und die Pinot Noirs verkörpern einen äußerst subtilen Stil, einen der...

Chardonnay Reserve 2024