Hanspeter Ziereisen: Grauer Burgunder Jaspis Würmlin Alte Reben 2023

Hanspeter Ziereisen: Grauer Burgunder Jaspis Würmlin Alte Reben 2023

Holzkiste

Zum Winzer

Grauburgunder 100%
weiß, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2046
Verpackt in: 6er OHK
mineralisch
voll & rund
Lobenberg: 98–99+/100
Parker: 95/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Grauer Burgunder Jaspis Würmlin Alte Reben 2023

98–99+
/100

Das sind die ältesten Grauburgunder-Reben von Ziereisen, 1958 bis 1960 gepflanzt. Das Terroir in dieser Parzelle ist Kalkstein mit Löss-Eisen-Auflage, wie beim Rhini. Pressung ganz traditionell in der Korbpresse. Leicht kupfern schimmert er im Glas, es ist eben kein Standard, sondern ein Grauburgunder mit Maischestandzeit und langsamer Pressung über Nacht. Ausbau im großen Holz. Ich habe schon einmal geschrieben und ich wiederhole es: dieser Wein hat wenig oder eigentlich nichts mit einem klassischen Grauburgunder zutun, er ist unheimlich burgundisch in seiner Ausprägung. Ein großer und vor allem extrem spannender Wein, der quasi an einen Corton-Charlemagne mit leichten Orange-Akzenten erinnert. In der Nase dicht, erhaben, zu Beginn noch sehr kompakt und rauchig-reduktiv. Zurückgenommene Frucht, etwas Quitte, Aprikose, Orangenschale und Walnuss. Dazu auch würzig-kräutrige Noten von Salbei und etwas blondem Tabak. Hohe Aromenintensität, leichtes Toasting vom Holz, obwohl es kein Neuholz gibt. Am Gaumen so viel Dichte und Kraft aus diesen uralten Grauburgunder-Reben, ohne aber jemals fett zu werden. Die Säure ist präsent aber rebsortventypisch eher zurückhaltend, dafür definiert sich der Würmlin eher über ein feines Gerbstoffgerüst. Kumquat, feine Herbheit, auch wieder Salbei und Butter. Enorme Länge und geschliffene Eleganz. Es gibt auf der Welt wahrscheinlich keinen zweiten Winzer, der Grauburgunder in dieser Ausführung macht. Wer einmal im Leben einen großen Grauburgunder probieren will, der soll sich mal diesen Wein kaufen. Es gibt nichts Vergleichbares auf der Welt, vielleicht ein Pinot Gris Rangen de Thann von Zind-Humbrecht in manchen Jahren. Doch außer diesen beiden gibt es keinen Grauburgunder, der so nah die Weltklasse heranreicht.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

95
/100

Parker über: Grauer Burgunder Jaspis Würmlin Alte Reben

The bronze-colored 2023 Jaspis Grauer Burgunder Würmelin offers a deep, intense and refined nose of ripe fruits intertwined with crushed limestone salt and orange or kumquat bitters and even chamomile nuances. Full-bodied and rich yet not sweet, the palate is pure, fresh and detailed. This is an elegant, refined yet also intense and well-concentrated Pinot Gris with remarkable finesse and mineral expression. All this is held in tension and precision by fine tannins that intermingle perfectly well with the mouthwatering mineral acidity. Like in so many years, this Pinot Gris is my favorite white wine from Hanspeter Ziereisen. 13.5% stated alcohol. Diam 10 cork. Tasted from lot L 19 25 in February 2026.

Mein Winzer

Hanspeter Ziereisen

Den in Mischwirtschaft betriebenen Hof seiner Eltern wollte der gelernte Zimmermann Hanspeter Ziereisen zunächst nicht weiter führen, zu mühsam war der Broterwerb als Landwirt im Spargeldominierten Markgräflerland.

Grauer Burgunder Jaspis Würmlin Alte Reben 2023