Nur 3.300 Flaschen – mehr gibt es von dieser weißen Rarität nicht. Der Wein stammt komplett aus der Einzellage Carramainas im kargen Hochland von Calatayud. Auf dem Weg zu diesem Weinberg fühlt man sich, als würde man über die Oberfläche des Mars fahren. Irre! 85-jährige Macabeo-Reben, im gemischten Satz mit einem Hauch Garnacha Blanca (5%). Auf ganzen 800 Metern Höhe wurzeln diese alten Stöcke tief in kargen Kalk- und Schieferböden. Die Nase zeigt sich zunächst verhalten, aber total elegant, mit weißen Blüten, Kamille, Fenchel, zarter Kräuterfrische von Dill, dazu heller Kalkstaub und eine Spur Kreide. Dann öffnen sich gelbe Früchte, Kaki, leicht kandierte Zitrusschale, ein Hauch Kokos vom fein dosierten Ausbau in den gebrauchten Tonneau von François Frères. Niemals laut, eher vielschichtig, subtil, geradezu delikat. Am Gaumen dann der volle Schub aus vibrierender Frische, eine packende, steinige Mineralik, die wie ein salziger, karger Wind durchzieht. Cremige Fülle durch das lange Hefelager, doch zugleich enormer Zug. Kraftvoll und doch filigran. Leicht reduktiv, das Burgund von Roulot lässt grüßen. Grapefruit-Zesten, Zitronenmelisse, Salzmandel, zarte Honignoten, dazu dieser kernige Grip, der dem Wein eine faszinierende Struktur gibt. Die salzige Ader läuft bis in den langen Nachhall hinein, der nochmal mit feinem Hefeschmelz ausklingt. Das ist vielleicht kein auf Anhieb gefälliger Weißwein, sondern ein Charakterkopf: expressiv, konzentriert, mit Tiefe und Ernsthaftigkeit, dabei getragen von einer erstaunlichen Frische. Salzig, straff, mit großer mineralischer Energie. Ein rarer, charakterstarker Weißwein aus Aragon, der zeigt, wie kompromisslos terroirgetrieben Macabeo (Aragons Name für die Viura) sein kann.
2023 war sehr warm, aber er ist deutlich kühler und balancierter als der noch heißere und trockenere 2022. Nicht so aufregend und extrem wie 2021, eher eine reife und harmonische Version von 2020. Und so ist 2023 durchaus eine Fortsetzung der so großen Jahrgänge seit 2019. Luis Gutierez, Parkers Mann für Spanien, fasst den Jahrgang 2023 anhand von Alvaro Palacios Weingütern ganz im Westen und ganz im Osten, somit Landesübergreifend so zusammen: 2023 was an even more generous crop than 2022 … the wines have better balance, and it doesn't feel like a warm year at all. In fact, the wines feel more like they come from a cool year. It's a vintage that has a tendency toward reduction, not as much as 2020, but still reductive. But it's an elegant, stony reduction...The quality of the 2023s is stunning. There is a level of precision, cleanliness, symmetry and elegance that, if the end of the élevage and the bottling goes as expected, I must conclude that 2023 might be the finest vintage ... There might be other individual wines that reach higher peaks, but as an overall portfolio, the vintage 2023 represents the strongest collection ever produced.