Das Flaggschiff von Dunn wird ebenso wie der Napa Valley Cabernet Sauvignon des Weinguts 32 Monate lang in französischen Barriques ausgebaut, allerdings haben wir hier 100 Prozent Neuholzanteil. Der lange Ausbau dieses ultra klassischen Weins absorbiert das Holz vollständig und sorgt zudem bei der mächtigen Tanninstruktur des Howell-Mountain-Weins für Schliff. Tiefes, beinahe undurchsichtiges, leuchtendes Rubinrot. Sehr opulente, erhabene und zugleich versammelte Nase, die die Wildheit der Dunn-Weinberge perfekt einfängt. Klassisch Dunn brummt sie vor sich hin und ist dabei nicht laut, ungeschminkt und ehrlich. Dunkle, reife Kirsche, süße Wald-Heidelbeere, auch getrocknete Blueberries und reife schwarze Johannisbeere mit mineralischem Graphit. Menthol, wilde Kräuter, ein zarter Hauch Vanille und cremige braune Gewürze, auch etwas Nelke, Pfeffersteak mit intensiver Fleischigkeit und würzigen Röstaromen sowie einem Hauch Zedernholz. Die Nase gibt momentan nur einen Vorgeschmack, denn dieser junge Wein wird noch enorm an Komplexität zulegen. Aber schon im jungen Stadium liefert sie ein Konzentrat der einzigartigen, druckvoll schiebenden Mineralik in Kombination mit vielschichtigen Kräutern auf einem Unterbau saftigster Frucht. Hier sind wir schon im mystischen Bereich – dieser Stoff will erobert und erforscht werden. Er drängt sich nie auf, sondern hält sich vornehm zurück – wohlwissend seiner grandiosen Klasse. Die Insider kommen schon von allein zu ihm und erobern ihn voller Trinkfreude! Herrlich opulenter, saftiger, wohliger Mundeintritt – der erste Schluck fühlt sich an wie eine herzliche, feste Umarmung. Ein Moment, um innezuhalten und glücklich zu sein. Der Wein gleitet beinahe dickflüssig über die Zunge, als wäre noch vulkanisches Gesteinsmehl in ihm aufgelöst. Die Tannine sind »zum Kauen« schwer wie ein Samtvorhang und zugleich ebenso geschliffen und samtig. Zugleich bringt die harmonische Säure »griffige« Spannung auf die Zunge. Im Nachhall bleibt dunkle, 100-prozentige Schokolade mit Herzkirschen, salziger Mineralik, Salzlakritz und viel würziger Pikanz auf der Zunge. Weißer Pfeffer, etwas Chili und verschiedene Minzsorten, auch getrocknete. Schon bei meiner Probe im März 2026 kommt der Wein so langsam in seinem Trinkfenster an, aber dieser Howell Mountain entwickelt erfahrungsgemäß mit Flaschenreife zusätzlich wunderbar erdige Aromen und eine noch viel sagenhaftere Vielschichtigkeit. Dieser wunderbare Wein erinnert mich daran, warum ich Dunn schon seit Jahrzehnten so sehr schätze. Als kleine Anmerkung sind im Vergleich zu Dunn Vineyards des letzten Jahrhunderts die Wein zwar stilistisch nahezu unverändert, dafür aber definitv schon etwas früher zugänglich. Man muss keine zehn oder mehr Jahre mehr warten. Eine großartige Essenz eines wilden Terroirs und einer DER unsterblichen Kalifornier überhaupt, archetypisch!