Der Pas de Deux 2023 ist das erste gemeinsame Projekt von Dorlis Tochter Anna Niepoort und Kellermeister Lukas Brandstätter. 100% Blaufränkisch von über 50 Jahre alten Reben, die in der Riede Holzweingarten im östlichen Teil des Spitzerbergs wurzeln. Der sandige Kalkboden mit etwas Lehm, sowie der kühlere Jahrgang, prägen hier einen Blaufränkisch-Stil, der bewusst leichtfüßiger und moderner angelegt ist als die klassischen Spitzerberg-Weine des Hauses. Quasi ein moderner Bistro-Wein par excellence, aber nicht nur easy drinking, sondern mit wirklich Anspruch. Die Hälfte der Trauben wurde entrappt und drei Tage spontan vergoren, nahezu keine Extraktion, nur ganz zartes Auslaugen der Tannine. Der Rest als Ganztraube. Zwei Partien, jeweils für ein Jahr in alten 500-Liter-Fässern ausgebaut, anschließend leicht geschwefelt und im 1.000-Liter-Moselfuder zusammengeführt. Dort bis zur Füllung im Mai 2025 auf der Feinhefe belassen. Das ergibt gerade einmal 1.300 Flaschen Gesamtproduktion. Der Wein zeigt sofort eine unglaublich einladende, klare, kühle und rotfruchtige Nase mit Sauerkirsche, roter Johannisbeere, satter Himbeere, einer Spur Preiselbeere und etwas Rhabarber. Dazu kommen frische Kräuter, zerstoßener rosa Pfeffer und eine minimal grünliche Spur, die an Cabernet Franc erinnert, aber mit mehr mineralischem Kern. Die kalkige Würze des Spitzerbergs ist deutlich spürbar und verleiht dem Wein zusätzlich eine steinige Präzision. Am Gaumen wirkt der Pas de Deux schlank, seidig und sehr geradlinig. Die Säure ist frisch, aber nie aggressiv, trägt die rote, knackige Frucht hervorragend. Feinkörniges Tannin, satte Himbeere, leicht herbe Cranberry, Blutorange, ein klarer salziger Zug und die typische Spitzerberg-Struktur sorgen für Spannung, ohne den Wein schwer werden zu lassen. Mit seinen moderaten 12% Alkohol tänzelnd mit gigantischem Trinkfluss und Klarheit, zeigt aber gleichzeitig eine überraschend präzise Tiefe. Im Nachhall nochmal kühl, salzig-mineralisch und mit saftiger, roter Fruchtsüße. Insgesamt ein sehr gelungener, zeitgemäßer Blaufränkisch: frisch, präzise, moderat extrahiert, absolut eigenständig und bewusst auf Leichtigkeit ausgerichtet. Ein hervorragendes Erstlingswerk von Anna Niepoort und Lukas Brandstätter und ein neuer, spannender Akzent am Spitzerberg.