Für die Domaine selbst ist Beauroy der klassischste Chablis 1er Cru von allen. Das Terroir erstreckt sich am linken Ufer des Serein auf kimmeridgischem Kalkstein, jenen geschichtsträchtigen Böden aus dem Oberjura, die reich an marinen Fossilien sind. Die Trauben für diesen 2023er stammen aus drei Parzellen in der Lage Troésmes, wobei die Reben teils über 50 Jahre alt sind. Rund 40 bis 50 Prozent wurden im Holz vergoren und ausgebaut, der Rest im Edelstahl – Didier Séguier sucht hier die perfekte Balance zwischen der typischen Kühle und der sonnigen Kraft des Jahrgangs. Der Wein ist schnörkellos und geschliffen, sehr mineralisch und dabei von einer beeindruckenden Dichte. In der Nase zeigt sich eine hellgelbe Frucht mit feinen grünen Reflexen: Limettenschale, grüner Apfel und reifer Pfirsich geben den Ton an, untermalt von charakteristischen floralen Noten weißer Blüten, Neroli und einer ganz feinen, rauchigen Reduktion. Das ist Chablis, wie er im Buche steht – ein „high-toned“ Bouquet, das mit einer wunderbaren Tiefe und einem salzigen Kern überzeugt. Der Mund ist reich und cremig, dabei deutlich fleischiger und breiter gefächert als im Vorjahr, aber stets ungemein lebendig und frisch. Er läuft auf gelber Steinobstfrucht, Pflaume und Orangenabrieb. Man spürt sofort die meisterhafte Präzision des Jahrgangs, der dem Wein trotz seiner Fülle eine enorme Energie verleiht. Die Textur ist seidig, fast satiniert, und doch bleibt dieser Beauroy durchgehend „racy“, poliert und fokussiert. Er baut in der Mitte eine schöne Fülle auf, ohne dabei fett zu wirken und mündet in ein langes, salziges Finale mit feinem kreidigen Grip. Ich verstehe, warum dieser Wein als einer der klassischsten Chablis gilt, weil er trotz der Kraft des Jahres so perfekt ausgewogen und unaufgeregt schick bleibt. Ein wunderbarer Purist, der schon jetzt unheimlich viel Freude macht, aber locker weiterreifen kann.