Der Wein wächst auf einem zum Ort hin abfallenden Hochplateau im Norden der Gemeinde, auf Sand und roten Kieselsteinen, die vom darüberliegenden nördlichen Plateau de Mont Redon herunter erodieren. Ein Mischsatz aus 80 Prozent Grenache und zu gleichen Teilen aus Syrah und Cinsault als Balance, alles wird zusammen geerntet und vergoren. Wie immer, in konischen Edelstahltanks und dann in Stockinger-Fuderfässern ausgebaut. Benjamin Gras hat sich entschlossen in 2022 etwas weniger Ganztrauben zu verwenden als 2021, aber immer noch 80 Prozent. Er mag diesen Rappenstil einfach, weil er Frische bringt und den Alkohol etwas drückt. Die Nase ist ganz klassisch Châteauneuf, würzig, feurig, kräuterig, sehr viel Garrigues, dunkler Speck, Holzkohle, Schwarzkirsche, satte dunkle Frucht. Der Le Pied de Baud ist ein bisschen die Antithese zum Saint Vierges. In einem vollreifen Jahr wie 2022 ist das etwas weniger evident wie etwa 2021, aber dennoch ist es immer so. Wir sind hier in der typischen Würze, der Reichhaltigkeit und dem Feuer der Gemeinde. Saint Vierges hingegen ist der luftigere, vertikalere Wein. Der Pied de Baud zeigt viel süße, hat Lavendel und Valrhônaschokolade und hier sind die ganze Intensität und Reichhaltigkeit, die süße Kirsche und die orientalischen Gewürze der Gemeinde in einem Wein vereint. Der Le Pied de Baud zeigt sich in 2021, dem Jahr, dem Benjamin Gras so viel Struktur mitgegeben hat, besonders schön.
Der Jahrgang 2022 ist ein multikomplexer, kontrastreicher, heterogener und ganz und gar ungewöhnlicher Jahrgang - offensichtliche Folgen des Klimawandels? Die Rhone hat in den letzten zwei Jahren somit zwei extreme, paradoxe und diametral entgegengesetzte Jahrgänge erlebt. 2021 war frostig, kühl und regenreich, klassisch aufregendes cool-climate. 2022 war dagegen viel zu trocken und extrem sonnig. Dieser schnelle Wechsel macht etwas ratlos und 2022 stellt sogar die Zukunft mancher Weinberge dauerhaft in Frage. Der schon jetzt zu einem der besten Jahrgänge des letzten Jahrzehnts erklärte Jahrgang 2022, den manche gar mit 1978 vergleichen, hält zwar im Norden wunderbare, ja grandiose Überraschungen bereit, aber im Süden durchaus auch einige herbe Enttäuschungen. Die Widerstandsfähigkeit der Reben angesichts der klimatischen Extremsituationen erstaunt dennoch! Die mehr oder weniger intensiven Regenfälle Mitte August und September retteten dann die Weinberge und Regionen, in denen der Punkt ohne Wiederkehr durch Wasserstress noch nicht erreicht war, manchmal aber war es zu spät. 2022 ist somit durch sehr starke Heterogenität zwischen und auch innerhalb der Appellationen gekennzeichnet, grandiose Schönheiten und vertrocknetes, unreifes Elend liegen oft nah beieinander, alles hing am seidenen Faden. Unsere Verkostungen bei den Erzeugern und unsere akribische Auswahl hat in diesem Jahrgang 2022 noch mehr Bedeutung als je zuvor.Südliche Rhone:Wider Erwarten sind die Weißen harmonisch, aromatisch und nicht fett und alkoholisch, es gibt viele großartige Erfolge. Erstaunlich und superb! Die Qualität der Roten ist deutlich heterogener. Unbalanciertheit, Disharmonie, spröde und harte Tannine und mangelnde phenolische Reife findet man in vielen jungen Reben. Nur sehr alte Reben mit minimalen Erträgen und tiefem Wurzelwerk bieten komplexe und anmutige, ja sogar ganz große Weine der historischen Extraklasse.Nördliche Rhone:Der kühlere Norden blieb von den meisten Leiden des Jahrgangs verschont. Die vollständige Reife wurde fast immer erreicht und die Alkoholgrade blieben moderat. Die Gaumen der gleichermaßen großartigen Weißen und Roten sind üppig, prall und dennoch straff. Weine mit Typizität und Stil, die Sommeliers und Restaurants gleichermaßen glücklich machen werden. Ein historisch großer Jahrgang!