Faiveleys Mercurey Vieilles Vignes stehen in einem südöstlich exponierten Plot auf klassischem Lehmkalkboden. Die Reben sind zwischen 40 und 60 Jahren alt. Wie immer bei Faiveley überwiegend entrappt und spontan in großen, offenen Holzgärständern vergoren. Es geht fast nur Vorlaufsaft in diesen feinen Wein ein. Malo und Ausbau in Barriques für rund ein Jahr, nur 10 Prozent Neuholzanteil. Das ist die neue Puristik und ungeschminkte Finesse unter Erwan und Eve Faiveley, die wenig mit den stark extrahierten Weinen des Vaters zu tun hat. Der Wein aus den alten Reben ist intensiv und fein, duftet nach saftigen Waldbeeren und Sauerkirsche, darunter Minze, Tonkabohne und Veilchen. Unglaublich seidig, ja fast süffig in seinem kühl-eleganten Antrunk. Gleitet wie Samt über den Gaumen, beerig, würzig, total polierte Tannine zum Dahinschmelzen.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.