Es gibt nur einen Wein aus allen Fässern und allen Parzellen, es gibt keine Abstufung. Es soll um den gesamten Ausdruck des Weinbergs gehen. Die Lese begann am 19. September und dauerte drei Tage, statt der üblichen fünf bis sechs Tage. Die Domaine musste sich ranhalten, alles reinzholen. Die Ernte war rund 45 Prozent geringer als in einem Normaljahr, das ist gar nicht mal so schlecht, denn viele haben 60 Prozent und bis zu 80 Prozent verloren an der Côte de Nuits. Genau wie im Vorjahr zu rund 80 Prozent als Ganztrauben vergoren in zylinderförmigen Holzcuves, die extra für Lambrays angefertigt wurden. Der Clos des Lambrays Grand Cru wurde im April 2026 abgefüllt, also regulär von der Ausbauzeit. Die Morey 1ers Crus blieben hingegen drei Monate kürzer im Fass in 2024, sie wurden Anfang 2026 schon gefüllt. Der Sinn der zylindrischen Cuves ist, dass ein Aluminiumdeckel aufgesetzt werden kann, damit die Gärung trotz eigentlich offenen Holzcuves unter komplettem Sauerstoffausschluss beginnen kann. Normalerweise möchte man, dass die Gärung in offenen Holzcuves schnell beginnt, dass die Gärgase den Tresterhut vor Oxidation schützen. Bei Lambrays will man allerdings gerne eine gewisse Standzeit mit langsam beginnender Fermentation haben, dazu dann die Deckel gegen Sauerstoff. Auf die üblicherweise konischen Holzcuves, wie sie im Burgund üblich sind, passt der Deckel aber nicht drauf, daher die extrem kostenintensive Sonderanfertigung. Aber bei diesem Flaschenpreisen lohnt sich das Invest in beste Technik. Der Clos des Lambrays ist immer der finnesenreichste der Grands Crus in Morey, das ist seit Jahrhunderten der Eindruck sämtlicher Verkoster gewesen und selbst der Mönche schon, wenn man ihren Aufzeichnungen glauben mag. Die ganze Diversität und Komplexität des Weinberges mit seinen elf verschiedenen Plots findet sich im Wein wieder. Wie gesagt, nichts wird abgestuft. Schon in der Nase hat der 24er Lambrays eine sehr klassischen Ausdruck, liegt kühl und würzig im Glas, Sauerkirsche, Herzkirsche, Veilchen, Eukalpytus, Graphit, alles was man in einem großen Burgunder sucht, ist an seinem Platz. Ein linearer, im Grunde nahezu kompletter Ausdruck von Pinot Noir. Für Winemaker Jacques Devauges ist 2024 sehr klar mit 2010 zu vergleichen, denn die Weine waren am Anfang des Ausbaus noch recht tight und scheu und sind dann immer weiter aufgefächert, tiefer, dichter und komplexer geworden. Die Tannine sind straffer und salziger als in 2023, was mehr Schmelz hatte. Das hier ist Oldschool vom Feinsten, im Grunde ein zarter Wein, aber er hat so viel Druck, so viel Salz und Schub aus der Mineralität und eben nicht aus seinem relativ schlanken, energetischen Körperbau. Das ist großes Kino für Liebhaber des alten Burgunds. Wir sind reifer, dichter als 2021, aber rassiger als 2023 und 2022. Der 2024 Clos des Lambrays ist die Renaissance des genialen 2010ers – und wenn er sich genauso fein und langsam entwickelt, ist das in 15 Jahren ein Mega-Wein. Ich würde da noch vor dem ebenso beeindruckenden 2023 drauf setzen, weil er einen anderen, kühleren Charakter hat. Für meinen Gaumen ist das nahe der Perfektion – auch wenn das jemand, der die große Power sucht, eher in 2022 sehen mag.