Der Name dieser Cuvée »Très Vieille Vigne«, zu deutsch »sehr alte Reben«, ist hier wirklich Programm. Wir haben hier mindestens 80, aber sogar bis zu 100 Jahre alte Reben, die im Lieu-Dit »Aux Caves« im Beaujolais-Cru Moulin-a-Vent wurzeln. Reiner, massiver Granitboden auf knapp 250 Metern Höhe. Im direkten Vergleich zum »Le Clachet« sind wir hier schon mehr bei Beaujolais. Die Aromatik ist dunkler, fleischiger, aber dennoch fein. Brombeere, Schwarzkirsche, Zwetschge und helle Lakritze. Schwarzer Pfeffer, Wacholder und feine Kräuterwürze von Thymian dahinter. Sehr druckvoll und komplex. 2023 ist schon ein ziemlicher dichter, kraftvoller Saft bei Anita. Es ist zugänglich und sehr samtig geschliffen, aber die Tannine sind massig vorhanden, alles wirkt so reich und intensiv, von allem viel. Das ist schon sehr beeindruckend. Wir bleiben dennoch in einem burgundischen Profil und neigen nicht zu sehr zur Rhône, dafür ist die Frucht zu klassisch und die Mineralität zu präsent und zu griffig. Am Gaumen mit beeindruckender Dichte und viel Schub aus dunkler Beerenfrucht. Das ist schon wirklich dicht und engmaschig irgendwo mit dieser zupackenden Tanninstruktur und dem Fruchtdruck von reifer Pflaume und Brombeermarmelade. Feine Süße und massiges, aber samtiges Tannin schieben über den Gaumen. Grandiose Länge und Intensität, würzig und mit dunkler Graphitmineralität und feiner Salzigkeit ausklingend. Genial.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.