Die Plenitude 2-Linie ist der Late Release von Dom Perignon mit noch längerem Hefelager. Die P1-Version, also der ganz reguläre Dom Perignon, reift mindestens acht Jahre auf der Hefe vor dem Degorgement. Die P2 verbleiben dann mindestens 15 Jahre bis über 20 Jahre auf der Hefe. Die extrem raren P3 bleiben dann sogar über 25 Jahre auf der Hefe vor Release. Durch diese extrem lange Reifung gewinnt er nochmal an Tiefe, Finesse und vor allem Langlebigkeit. Schon bei der Erzeugung des normalen Dom Pi, entscheidet die Domaine in Hinblick auf P2, ob der Jahrgang als Dom Perignon erzeugt wird. Nur wenn der Grundwein in den Augen des Kellermeisters das Potenzial hat 15 Jahre oder mehr auf der Hefe zu bleiben, wird ein Dom Perignon erzeugt. Falls nicht, wird der Jahrgang verworfen und geht in Nonvintages von Moët & Chandon. Der 2008er hat 4,5 g/l Dosage, wie fast alle P2s, ist also theoretisch sogar Extra-Brut, aber das Maison möchte lieber Brut auf dem Label haben. Den 2008er konnte ich bei einem Lunch im historischen Weingut von Dom Perignon in Hautvillers erstmals probieren, ein halbes Jahr vor dem Release. Es ist ein atemberaubender, ja sogar irrer Stoff. Brutal jung, in sich verwoben und angespannt wie ein Bogen. Im Grunde ist das am Kalkstein lecken. In der Nase noch sehr konzentriert, nur Nuancen von heller Zitrusfrucht, Kalkstaub und weißer Frucht preisgebend, feine Reduktion, null Exotik und keine Üppigkeit wie in manch anderen Jahren. Am Gaumen eine Salzexplosion, der Wein fräst sich auf die Zunge mit einer gewaltigen Präzision, nur geradeaus, läuft wie mit Scheuklappen, Mineral, Salz, Limette, Minze, alles schießt kanalisiert auf einen Punkt am Ende des Gaumens hin, um dann zart-cremig auszuklingen bis der Mineralhammer wieder den Abgang übernimmt. So rassig, dass sich die Zunge rollt. Das ist ein Geschoss! Geschmacklich der jüngste P2, den ich auf der Zunge hatte, quasi noch fast unentwickelt und das nach über 15 Jahren auf der Hefe, absoluter Wahnsinn. Der 2008er braucht nach dem Degorgement eigentlich nochmal 5 bis 10 Jahre Zeit – Minimum. Eine Legende in the making, aber nichts für schwache Nerven.