David Moret arbeitet nur mit Schwerkraft, kein Pumpen, alles geht direkt ins Fass. Im Sommer wird dann vom Fass in Inox umgezogen vor der Abfüllung im Winter nach einem Jahr Ausbau. Auch die Abfüllung erfolgt ohne pumpen. Alle 1ers Crus bekommen rund 30 Prozent neues Holz. Die Weine verblieben bis November 2025 im Fass, dann wurde abgefüllt. Das ist ganz typisch. Zuerst kommt das leichte Toasting des Holzes. Was man riecht ist die Lage. Charmes ist immer runder, kräftiger, er verträgt auch viel neues Holz, hat immer viel Üppigkeit und saftig-hedonistische gelbe Frucht. Im Mund trotz seiner Kraft mit wahnsinnig intensiver, straffer Mineralik, die die gelbfruchtige Opulenz schön durchschneidet. Grüne Birne, weißer Pfirsich, Hefezopf und ein Hauch Kiwi darunter. Feine Rauchigkeit, schon so als Eigenheit. Am Gaumen ist der Wein rund und kraftvoll, aber nicht übermäßig cremig, es ist deutlich feiner als die Nase vermuten lässt. Sehr präzise, sehr geradlinig und doch mit gewaltigem Schub. Ein mineralischer, frischer Powerwein ohne Schwere. Wunderbar! Das ist eine spur intensiver als Pierre Moreys Charmes, dafür nicht so filigran. Es ist eine Stilfrage. Wer mehr Druck und Holzpower am Gaumen haben will, greift zu diesem Wein, wer etwas mehr Leichtigkeit wünscht, kauft Anne Moreys Charmes.
2024 markiert die Rückkehr zu einem sehr klassischen, fast schon nostalgischen Stil. Die Weine sind deutlich kühler, straffer und mineralischer als in den Vorjahren. Mit moderaten Alkoholgraden zwischen 12 % und 13 % vol. erinnert der Jahrgang an die »gute alte Zeit« des Burgunds. Besonders die Weißweine bestechen durch einen laserartigen Fokus und eine berstende, kristalline Mineralität, die an das exzellente Jahr 2014 erinnert. Ein Jahrgang für Puristen, die Struktur und Kante über cremigen Charme stellen. Der Jahrgang 2024 war ein hartes Stück Arbeit für die Winzer. Starke Frostschäden und ein sehr regenreiches Frühjahr und massiver Mehltaubefall führten zu drastischen Ertragseinbußen, besonders an der Côte de Nuits. Ein »goldener September« rettete zwar die Qualität der verbliebenen Trauben, doch die Mengen bleiben extrem klein. Die Qualität variiert stark je nach Lage und Geschick des Winzers. Wer jedoch bei den Top-Produzenten fündig wird, erhält tiefgründige, charakterstarke Weine von großer Eigenständigkeit und Raritätswert.