Der Wein entsteht jeweils hälftig in zwei Parzellen der Gemeinde. Ein Teil stammt aus Pitrou, eine sandige Granitlage mit Pflanzungen aus den 1940er bis 1950er Jahren. Der andere Teil wächst in Les Champs mit hartem Quartz- und Granitfels, rotem Lehm so wie Alluvialböden, hier sind die Reben aus den 1950er Jahren. Der Wein wird komplett als Ganztraube vergoren und dann für 10 bis 12 Monate ohne Schwefelzusatz in alten 600 Liter Fässern ausgebaut. Keine Zusätze, keine Schönung und keine Filtration. Seit Mitte der 1980er Jahre erzeugen die beiden Kultwinzer Dard & Ribo biologisch angebaute Weine völlig ohne Zusätze. Mittlerweile sind sie auch Hardcore-Biodynamiker. Sogar auf Schwefelzusatz wird weitgehend verzichtet, höchstens eine minimale Menge zur Füllung in manchen Jahren. Das heißt wir sprechen hier eigentlich von Natural Wine im heutigen Sinne. Aber Dard & Ribo arbeiten auf diese Art schon seit Jahrzehnten und lange bevor Natural so genannt wurde. Sie schätzen ganz einfach die frühe Zugänglichkeit und den verspielten, eigenwilligen Charakter der so entstehenden Weine, ohne irgendein Klischee bedienen zu wollen, dafür sind sie schon viel zu lange dabei. Im Gegensatz zu Dard & Ribos Superfruchtbombe aus Crozes Hermitage, ist der Saint Joseph sehr viel gesetzter, erwachsener und seriöser. Der Jahrgang 2023 war etwas weniger drückend heiß als 2022, daher sind auch die Weine etwas mehr im Fluss und nicht ganz so strukturiert. Die Nase ist sehr schick, zeigt würzige rote Frucht, Himbeere mit Kakao und Graphit, viel weißen Pfeffer. Der 2023er Saint-Jo ist richtig knackig im Mund, hat Pepps, wie die Franzosen sagen. Energetische rote Frucht, die sich mittig durchzieht, leichtes Salz an den Zungenrändern und auch etwas Extraksüße. Sehr charming in 2023, eine ungeahnte Köstlichkeit bei Dard & Ribo. Die Tannine sind sehr fein, etwas hintersinniger und eleganter als in 2022. Ein Terroirwein par excellence, der nicht zu sehr von seiner naturbelassenen Ausbauart dominiert wird, sondern eindrucksvoll die Expression dieser kargen Steilhänge und der Granitböden transportiert. Der Wein ist durchaus schon charmant und ansprechend, aber auf Grund seiner markanten Struktur ist es ratsam ihn einige Stunden zu dekantieren oder noch ein paar Jahre ruhen zu lassen. Ein charaktervoller Saint Joseph der alten Schule, der Finesse über Kraft setzt und trotzdem lange halten wird. Leider sehr limitiert und rar.