Dieser Crozes Hermitage besteht zu 70 Prozent aus Roussanne und 30 Prozent Marsanne. Die Reben stehen auf granithaltigem Sandboden am Rande der Appellation und sind 1984 gepflanzt, ein Teil der Marsanne ist auch aus den 1920er Jahren. Es ist eine Selektion Massale, der Weinberg wird mit Pferd und Pflug bewirtschaftet. Seit Mitte der 1980er Jahre erzeugen die beiden Kultwinzer Dard & Ribo biologisch angebaute Weine völlig ohne Zusätze. Mittlerweile sind sie auch Hardcore-Biodynamiker. Sogar auf Schwefel wird gänzlich verzichtet - das heißt wir sprechen hier eigentlich von Natural Wine im heutigen Sinne. Aber Dard & Ribo arbeiten auf diese Art schon seit Jahrzehnten und lange bevor Natural so genannt wurde. Sie schätzen ganz einfach die frühe Zugänglichkeit und den verspielten, eigenwilligen Charakter der so entstehenden Weine, ohne irgendein Klischee bedienen zu wollen, dafür sind sie schon viel zu lange dabei. Der Ausbau erfolgt im gebrauchten Holz, überwiegend Barriques und Demi-muids. Während Syrah schon immer ohne Schwefelzusatz ausgebaut wurde, bekamen die Weißen oft einmal Schwefel nach dem Pressen. Seit einigen Jahren allerdings haben Dard & Ribo eine Methode entwickelt, um auch bei den Weißweinen ganz ohne Schwefelung auszukommen. Der Jahrgang 2023 war etwas weniger drückend heiß als 2022, daher sind auch die Weine etwas mehr im Fluss und nicht ganz so strukturiert. Die Frucht ist etwas heller mit Anklängen von grüner Mandarine und Orangenblüten, Ananas, auch weißem Pfeffer und etwas Petrol, Marzipan. Sehr eigenwillige, unique Aromenwelt bei Dard & Ribo. Aber das ist zu erwarten bei dieser Domaine, das ist eben immer ein kleines bisschen Freakstoff. Der Wein kann gerne dekantiert werden, wenn der kleine Stinker stört, den die Weine manchmal haben können. Mit Luft kommt langsam auch eine steinige Note hinzu. Im Mund cremig und dazu ziemlich spicy, auch hier ein bisschen grüner Apfel, Mirabelle, grüne Birne, weißer Pfeffer, etwas kandierter Ingwer und Kamille. Die Textur ist weich und anschmiegsam wie von weißen Rhôneweinen gewohnt. Der Crozes Hermitage Blanc bekommt seine Struktur vor allem aus dem ganz feinen Tanningerüst und der feinsalzigen Mineralanmutung, die zusammen mit der kandierten Ingwerwürze und der reifen Steinobstfrucht den aromatischen Abgang bestimmt. Sehr ungewöhnlich in der Aromenausprägung, ein bisschen freaky, spicy, aber insgesamt sehr harmonisch, ausgewogen, weich und delikat. Und am Ende doch irgendwie ein typischer Terroirausdruck der Rhône mit seiner texturierten, weichen Struktur und einer zarten Note von Salbei-Butter und warmem Stein. Ein mediterraner Wein für den direkten Genuss, wenn man auf die etwas abgefahrenen Weininterpretationen der Altmeister Dard & Ribo steht. Crozes Hermitage mal anders, aber genial trinkfreudig!