Dard et Ribo: Crozes Hermitage Blanc 2023

Dard et Ribo: Crozes Hermitage Blanc 2023

Zum Winzer

Roussanne 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2032
exotisch & aromatisch
unkonventionell
naturbelassen
Lobenberg: 93–94/100
Frankreich, Rhone, Nordrhone
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Crozes Hermitage Blanc 2023

93–94
/100

Dieser Crozes Hermitage besteht zu 70 Prozent aus Roussanne und 30 Prozent Marsanne. Die Reben stehen auf granithaltigem Sandboden am Rande der Appellation und sind 1984 gepflanzt, ein Teil der Marsanne ist auch aus den 1920er Jahren. Es ist eine Selektion Massale, der Weinberg wird mit Pferd und Pflug bewirtschaftet. Seit Mitte der 1980er Jahre erzeugen die beiden Kultwinzer Dard & Ribo biologisch angebaute Weine völlig ohne Zusätze. Mittlerweile sind sie auch Hardcore-Biodynamiker. Sogar auf Schwefel wird gänzlich verzichtet - das heißt wir sprechen hier eigentlich von Natural Wine im heutigen Sinne. Aber Dard & Ribo arbeiten auf diese Art schon seit Jahrzehnten und lange bevor Natural so genannt wurde. Sie schätzen ganz einfach die frühe Zugänglichkeit und den verspielten, eigenwilligen Charakter der so entstehenden Weine, ohne irgendein Klischee bedienen zu wollen, dafür sind sie schon viel zu lange dabei. Der Ausbau erfolgt im gebrauchten Holz, überwiegend Barriques und Demi-muids. Während Syrah schon immer ohne Schwefelzusatz ausgebaut wurde, bekamen die Weißen oft einmal Schwefel nach dem Pressen. Seit einigen Jahren allerdings haben Dard & Ribo eine Methode entwickelt, um auch bei den Weißweinen ganz ohne Schwefelung auszukommen. Der Jahrgang 2023 war etwas weniger drückend heiß als 2022, daher sind auch die Weine etwas mehr im Fluss und nicht ganz so strukturiert. Die Frucht ist etwas heller mit Anklängen von grüner Mandarine und Orangenblüten, Ananas, auch weißem Pfeffer und etwas Petrol, Marzipan. Sehr eigenwillige, unique Aromenwelt bei Dard & Ribo. Aber das ist zu erwarten bei dieser Domaine, das ist eben immer ein kleines bisschen Freakstoff. Der Wein kann gerne dekantiert werden, wenn der kleine Stinker stört, den die Weine manchmal haben können. Mit Luft kommt langsam auch eine steinige Note hinzu. Im Mund cremig und dazu ziemlich spicy, auch hier ein bisschen grüner Apfel, Mirabelle, grüne Birne, weißer Pfeffer, etwas kandierter Ingwer und Kamille. Die Textur ist weich und anschmiegsam wie von weißen Rhôneweinen gewohnt. Der Crozes Hermitage Blanc bekommt seine Struktur vor allem aus dem ganz feinen Tanningerüst und der feinsalzigen Mineralanmutung, die zusammen mit der kandierten Ingwerwürze und der reifen Steinobstfrucht den aromatischen Abgang bestimmt. Sehr ungewöhnlich in der Aromenausprägung, ein bisschen freaky, spicy, aber insgesamt sehr harmonisch, ausgewogen, weich und delikat. Und am Ende doch irgendwie ein typischer Terroirausdruck der Rhône mit seiner texturierten, weichen Struktur und einer zarten Note von Salbei-Butter und warmem Stein. Ein mediterraner Wein für den direkten Genuss, wenn man auf die etwas abgefahrenen Weininterpretationen der Altmeister Dard & Ribo steht. Crozes Hermitage mal anders, aber genial trinkfreudig!

Jahrgangsbericht

Jahrgang 2023 Rhone: Ein Jahrgang auf Messers Schneide! Es brauchte nur ein paar Tage, die das Jahr zwischen einem »Grand Millésime« und einem »Millésime complexe« schwanken ließen. Der letztlich doch noch "klassische" Winter, der von einer ziemlich strengen Kälte geprägt war, verhinderte zum Glück den zu frühen Austrieb und damit jedes Risiko von Frühjahrsfrösten. Der folgende Vegetationszyklus brachte regelmäßige und glücklicherweise reichliche Regenfälle. Daraus resultierende Pilz-Krankheiten setzen die Winzer aber unter Druck! Die Erfahrung des Jahrgangs 2018 mit starkem Mehltau, der den Winzern noch leidvoll gut in Erinnerung ist, sorgte jedoch dafür, dass dieser Pilz-Druck bei den besten Winzern mit Erfahrung und viel Arbeit eingegrenzt werden konnte. Diese Winzer gingen somit gelassen und mit guten Wasserreserven in die Sommersaison, eine qualitativ schöne und große Ernte stand in Aussicht. Außerdem, und das ist selten, beglückte der Sommer die Winzer nochmal mit einigen milden Regenfällen. Am 15. August waren die Weinberge der Rhône gesund und grün. Die Winzer rieben sich die Hände, denn alles deutete auf einen »Grand Millésime« hin. Leider hat Mutter Natur, wie so oft in den letzten Jahren, in einigen Teilbereichen 2023 doch noch anders entschieden. Für einige Tage wurden die Weinberge der Rhône von einer extremen Hitzewelle heimgesucht. Die Trauben auf jungen Rebstöcken und jungen Terroirs hatten kaum eine Chance. Der totale Stillstand im Weinberg. Nur die wirklich alten Vieilles Vignes mit geringen Erträgen, dazu auf geschützten und alten Terroirs, fanden die Widerstandsfähigkeit, um ihre Trauben weiter zur optimalen Reife zu bringen. Die Katastrophe wurde somit nur in Teilen abgewendet, nur sehr alte Reben auf Top-Terroirs brachten grandiose Ergebnisse, aber in Summe über alle jüngeren Weinberge sind die Qualitäten wirklich mehr als heterogen, selbst in den arrivierten und besten Weinkellern... Eine grandiose, sehr spitze Spitze der Pyramide und darunter viel Durchwachsenes. Wieder einmal hat die akribische Selektionsarbeit im Weinberg ihren Sinn erfüllt! Die südliche Rhône: Paradoxerweise zeigen die Weißweine viel Lebendigkeit, Frische und aromatisch-mineralische Ausgewogenheit. Die Gaumen sind strahlend und harmonisch. Unerwartet und großartig. - Die Qualitäten bei den Rotweinen sind dagegen von Rebsorte zu Rebsorte sehr unterschiedlich. Entgegen allen Erwartungen kommen die Syrahs mit moderater Frucht erstaunlich gut weg. Die Weine aus sehr alten “Vieux Grenache” sind wunderbar rassig und von sehr großer Präzision, ein großes Jahr für sehr alte Reben. Junge Grenache aber litten sehr. Die nördliche Rhône: Hier gibt es weiß eine gewisse Ähnlichkeit mit den so herrlichen südlichen Weißweinen, wobei die Dichte sogar etwas ausgeprägter ist, superbe Ergebnisse... Die Qualitäten bei den Rotweinen variieren jedoch von einer Appellation zur anderen und sogar innerhalb der Appellation, abhängig eben vom Rebalter und vom Terroir. Ein Jahrgang, der uns bei den wenigen richtig gelungenen und großen Weinen in der Spitze, aber eben nur da, enorm an den Superjahrgang 2016 denken lässt. Und für den Norden des Nordens gilt »Spéciale!«: Saint Joseph, Condrieu and Cote Rôtie zeigen einige Jahrhundertweine.

Mein Winzer

Dard et Ribo

René-Jean Dard und Francois Ribo sind so etwas wie die „unfreiwilligen“ Natural Wine Rockstars der nördlichen Rhône. Unfreiwillig, weil die beiden seit den 1980er Jahren schon minimal-invasiven Wein möglichst ohne Zusätze oder önologische Eingriffe herstellen.

Crozes Hermitage Blanc 2023