Conterno Fantino: Barolo Ginestra Vigna del Gris 2022

Conterno Fantino: Barolo Ginestra Vigna del Gris 2022

BIO

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2042
voluminös & kräftig
tanninreich
Lobenberg: 95/100
Suckling: 96/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Ginestra Vigna del Gris 2022

95
/100

Das Weingut Conterno Fantino liegt in Monforte d´Alba. Bereits seit vielen Jahren wird hier zertifiziert biologisch gearbeitet. Im Keller werden alle Weine komplett entrappt und spontan im Stahl vergoren, die Beeren werden nicht angequetscht. Rund zwei Wochen dauert die Gärung in den Rotofermentern, die hier verwendet werden. Die Häute platzen durch diesen Prozess von selbst auf. Nach zwei Wochen werden die Schalen rausgenommen und der Wein für eine Woche sedimentiert, anschließend geht er direkt ins Barrique. Ein Drittel Neuholz, zwei Drittel gebrauchtes Holz. Die Malo findet im Barrique statt. Winzer Fabio Fantino schwört darauf, weil es die Farbe stabilisiert und die auftretende Mikrooxidation dem Wein reduktive Noten nimmt – ein Grund, warum die Weine hier im Vergleich zu den Nachbarn deutlich dunkler sind. Nach einem Jahr im Barrique wird die Hälfte des Weins in größere Fässer umgezogen. Alle Baroli werden bei Conterno Fantino so erzeugt und dann im Juli nach 2,5 Jahren auf Flaschen gefüllt. Der 1,5 Hektar große Ginestra Vigna del Gris liegt in Monforte d´Alba auf einer Höhe zwischen 300 und 320 Metern und ist die Ursprungslage der Familie Conterno Fantino. Die Reben stehen hier in Süd- und Südost-Exposition, die ältesten davon wurden 1978 gepflanzt. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Nach dem schwebend attraktiven und offenherzigen Vigna Pressenda ist der Vigna del Gris momentan eher noch etwas verschlossen in der Nase. Er strotzt dicht und erhaben beinahe brummend mit seiner monumentalen, dunklen Mineralik in Form von zart rauchigen Noten wie Teer, etwas rostigem Eisen sowie würzige Nelke auf reifer roter und dunkler Kirsche, eingelegte ätherische Kräuter und Orangenschale. Im Mund wird die große Menge an reifen, saftigen dunklen Kirschen, Brombeeren und Granatapfel mit unendlich vielen, dezent griffigen Tanninen gezügelt. Die massive Frucht steht dabei in herrlicher Balance 1:1 mit dem intensiven Tannin. Saftige Blaubeeren und Brombeeren mit guter Säure-Balance, die sich in Form von Blutorangen auf die Zunge legt. Im Nachhall vibriert die ganze Frucht dunkel nach, mit Noten wie Teer, Bitterschokolade, einem zarten Hauch Vanille und warmer brauner Gewürze sowie etwas Zedernholz. Trotz all der vielen intensiven und ernsthaften, auch monumentalen Tannine legt der Wein eine wunderbare Eleganz auf die Zunge. 2022 ist bei Conterno Fantino ein druckvoller und sehr schicker, wollüstiger Jahrgang!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

96
/100

Suckling über: Barolo Ginestra Vigna del Gris

A quite complex, classic yet modern Barolo with an intense floral bouquet as well as graphite, vanilla, strawberries, red cherries and a whiff of coconut. Elegant attack on the medium- to full-bodied palate, showing velvety tannins and crisp, integrated acidity. Long, savory finish with a meaty touch. Best after 2027.

Mein Winzer

Conterno Fantino

Mit einer neuen Winzer-Generation wurde die Weinqualität bei Conterno Fantino in die Höhe katapultiert. Stilistisch gesehen sind diese Weine nun druckvolle, moderne Botschafter des grandiosen Monforte-Terroirs.

Barolo Ginestra Vigna del Gris 2022