Lobenberg: Beaucastel verfährt noch immer nach dem vom Urvater Jacques erfundenen Verfahren, in dem die zu 100 % entrappten Beeren durch ein Rohr geleitet werden, das mit einem 80 Grad heißen Wassermantel umschlossen ist. Kurz danach wird das ganze mit 20 Grad wieder zurückgekühlt. Das tötet die Enzyme ab, die für die Oxidation zuständig sind und hilft am Ende weniger Schwefel benutzen zu müssen. Auch Brettanomyces, die unerwünschte, Stall-Geruch auslösende Hefe, wird hier teilweise abgetötet. Beaucastel schwefelt weit geringer als fast alle anderen Weingüter. Der Erfinder der Methode war der legendäre Jacques Perrin, der auch die Weinbergsarbeit auf biologische Arbeit umstellte (inzwischen biodynamisch). Auch im Keller wird möglichst wenig gemacht, große Holzfässer, kein Umpumpen oder Abzug zwischendurch, Verbleib auf der Feinhefe, selbst im anfänglichen und spontanen Gärvorgang wird nur eine minimale Remontage durchgeführt. Alles extrem natürlich und minimalistisch. 30% Grenache, 30% Mourvèdre, 10% Syrah, 10% Counoise und der Rest diverse verschiedene Reben. Wie oben erwähnt komplett entrappt vor der Vergärung. Syrah und Mourvèdre werden in großen Holzfässern vergoren und die anderen in Zementtanks, der spätere Ausbau dann komplett in großen Holzfudern. Die alkoholische und die malolaktische Vergärung wird noch in den Vergärbehältern durchgeführt, danach wird mit reiner Schwerkraft überführt in große, alte 5.000l Holzfässer. Die Weine verbleiben hier ohne jede weitere Bearbeitung bis zur endgültigen, unfiltrierten Abfüllung. Grandiose Nase, ganz verblüffend im 2012er, zuerst kommt eine grandios dichte Wolke von Walderdbeere und Waldhimbeere, hocharomatisch, fast schmerzende Speicheldrüsen. Das schwarzfruchtige und Garrigue, das sonst mineralische dominierende der Morvèdre wie Veilchen, Lakritz, Brombeere, Maulbeere, satte reife dunkle Pflaume, Schokolade, kubanische Tabake, ist alles da, aber einmantelt in diese sensationell weiche rote Frucht, in süße frische Zwetschge dazu, feinste Herzkirsche, alles extrem fein und seidig und samtig und lang und geschliffen. Sattes weiches Tannin steigt in die Nase, alles mild, alles extrem duftig. Feines Salz, Kalkstein, heller Tabak, helle Schokolade, dann wieder weich und rot. Was für ein Wein! Das Gegenteil eines Blockbusters und doch genau so beeindruckend. Im Mund ebenfalls diese Massen roter Waldfrucht mit Zwetschge und Schlehe zu Erdbeere und Himbeere, Hagebutte, wunderbar blumig, Pfingstrose, Jasmin, Veilchen, dazu rassig, viel Salz, Steinmehl, Holunder, Johannisbrot, sattes und zugleich ultrafeines, total geschliffenes und poliertes Tannin. Gute Rasse, aber gerade nicht zu hoch in der Säure, die feine rote Fruchtsüße sorgt für perfekte Balance, überhaupt nicht der von dem Jahrgang erwartete Blockbuster, sondern ein feiner, langer Beaucastel, der sicherlich zum Besten gehört, was Beaucastel bisher erzeugt hat. Ein großartiger Wein, ungeheuer zart und komplex, auch wenn er allgemein nicht so hoch bewertet wird wie einige Superstars, für mich ein Wein, der mit an der Spitze des Jahrgangs steht. Der Nachhall ist immens, fast zwei Minuten und der Wein bleibt dabei immer elegant und harmonisch, dennoch zugleich fast extreme Mineralität. Der ungefähr 2005 eingeleitete Stilwechsel bei Beaucastel durch die separate Vinifikation der Reben und der Parzellen und dem entsprechend besseren Blending zum Schluss, hat eine deutliche Hinwendung zur Eleganz, zur Offenheit, zur Feinheit gebracht, die Rustikalität der früheren berühmten Jahre 89/90 wich der Balance und der Feinheit und der Finesse. Beaucastel steht heute für extreme Eleganz und sauberen Fruchteindruck, gar nichts Bäuerliches mehr, kein Stall, kein Brettanomyceseinfluss. Und mit 2012 ist dann noch ein Schritt gegangen von der Kraft zur verträumten Finesse. Wenn wir das Burgund mit Erzeugern wie Bernstein und Romanée-Conti an die Spitze setzen, müssen wir diesem 2012er wahre Größe attestieren! 98-99/100