60 Prozent Merlot und 40 Prozent Cabernet Sauvignon. 13,5 Volumenprozent Alkohol. Nur 24 Hektoliter pro Hektar wurden hier gelesen. Ausgebaut in 60 Prozent Zement und 40 Prozent gebrauchtem Barrique. Dichte reiche Nase, würzig mit Brombeere, roter Johannisbeere und Sauerkirsche. Relativ kraftvoll, fast etwas maskulin daherkommend. Aber nichts Unreifes, nichts Grünes ist dabei. Der Mund ist super aromatisch mit unglaublich weichem, saftigem Tannin. Viel Tannin, aber sehr seidig, saftig und samtig. Sehr Médoc, das erinnert sehr an Pauillac. Durchaus mit Grip und Salz, die Augen ziehen sich zusammen. Langer, salziger Nachhall… Der Wein ist in seiner Intensität schon ein Ereignis. Viel Sauerkirsche, aber auch Brombeere und Blaubeerschalen. Viel Grip und große Intensität. Für einen kleinen Médoc ist das fast schon ein Ereignis! Haut Maurac ist seit Jahren ein Geheimtipp und wird es leider auch bleiben. Aber es ist allemal wert, dass man sich mit ihm beschäftigt! *** Haut-Maurac liegt ganz im Norden des linken Ufers und in direkter Nachbarschaft zum Überflieger des Médoc und Haut-Médoc, Château Clos Manou. Seit 2015 profitiert das nördliche Médoc extrem vom Klimawandel. Früher war dieser Teil des linken Ufers, inklusive der nördlichen Appellation Saint Estèphe, immer etwas benachteiligt. Feuchte und kühle Jahre funktionieren auf diesen Böden nicht ideal. Aber der Wandel zum Mediterranen, speziell seit 2015, führt dazu, dass einige der Weingüter dieses Gebiets heute im Grunde klassifiziert gehörten, weil sie großartige Weine hervorbringen. Weingüter wie Clos Manou würden sicherlich sogar in der Phalanx der viert- und drittklassifizierten Châteaus mitspielen. So sehr überwieg die dramatisch gute Weinbergsarbeit gegenüber dem früheren Nachteil der Terroirs, der sich heute zum Vorteil gewandelt hat. Auch in Jahren der Trockenheit hat man hier durch die Lehmschicht unter dem Kies keine Probleme mit Trockenstress. Haut-Maurac gehört Olivier Decelle, dem auch Château Jean Faure in Saint-Émilion gehört. Der Großteil der 28 Hektar umfassenden Weinberge liegt an den Hängen von Mazailes, mit Blick auf die Gironde. Der nächste Ort ist Saint-Yzans. Das Terroir ist hier geprägt von Kies mit etwas Sand, nur wenig Lehm. Es ist derselbe Boden wie auf Clos Manou. Wie ich schon sagte, sind diese Böden seit dem deutlich spürbareren Klimawandel deutlich im Vorteil, früher waren sie etwas zu kühl und zu feucht. Die Reben sind inzwischen im Durchschnitt 35 Jahre alt, mit 6.200 Stöcken pro Hektar relativ dicht gepflanzt. 60 Prozent Merlot, 40 Prozent Cabernet Sauvignon. Man findet hier die einfache Guyot-Erziehung bei den jungen Nachpflanzungen. Ansonsten teilweise auch doppelter Guyot und Einzelstockerziehung bei den alten Reben. Das Weingut befindet sich in Konversion zu Bio, mehrere Plots sind bereits umgestellt. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis alles umgestellt ist. Bereits jetzt ist das Weingut zertifiziert nach ISO-1400, umweltschonendes Farming. Die Ernte und die Vinifikation erfolgen Plot für Plot. Alle Trauben werden nach der Ernte auf einem Sortierband im Weingut nochmals nachselektioniert. Der Wein wird im Beton spontan vergoren. Der Ausbau erfolgt im Beton und im Barrique. Es werden ungefähr 110.000 Flaschen erzeugt. Haut-Maurac hat sich in den letzten fünf bis sechs Jahren nochmals verbessert und ist inzwischen einer der direkten Verfolger der beiden nördlichen Superstars Clos Manou und Château Carmenere.