50 Prozent Cabernet Franc und 50 Prozent Merlot. Der Ertrag lag bei 24 Hektolitern pro Hektar. Die Nase unterscheidet sich sehr vom normalen Coutet. Das liegt sicherlich auch an den 50 Prozent Cabernet Franc und an der speziellen Form der Merlot, die eben nur in die Cuvée Demoiselle geht. Hochintensive Frucht, hier sind es nur Waldhimbeere und Walderdbeere, dazu süße rote, reife Kirsche. Viel Druck mit heller Lakritze und einem kleinen Hauch Nutella, auch etwas Mango und Maracuja. Eine hochintensive Nase, ohne Ecken und Kanten! Eben total reif, nichts Grünes ist hier dabei. Wow, was ist das dann für ein Mund! Da bleibt mir für einen Moment die Sprache weg. So köstlich! Satte süße rote Kirsche mit satten Walderdbeeren und Himbeeren, auch frische Zwetschgen. Eine tolle Süße in diesem wahnsinnigen Spiel! Das ist ein Leckerli der Extraklasse! Und auch dieser Wein wird schon von Beginn an Everybody’s Darling sein. Die Tannine sind nicht spürbar, auch wenn sie natürlich reichlich vorhanden sind. Alles ist so reif, so fein und verspielt! Dieses Jahr war die Besonderheit – deshalb sind die Tannine vielleicht auch so weich – dass man nach der Fermentation den Saft noch weitere 12 Tage auf den Schalen beließ. Ein immer beliebteres Modell, wie es ja auch im Piemont üblich ist, um Tannine wieder herauszuziehen. Vielleicht ist der Wein auch deshalb so unglaublich weich. Er steht für fast zwei Minuten im Mund mit seiner enormen Fruchtigkeit, Geschmeidigkeit und Leichtigkeit. Dazu diese wahnsinnig intensive Fruchtaromatik… Aber das Ganze erinnert viel weniger an klassischen Wein als an einen hochintensiven, extrem leckeren Fruchtsaft. Hier ist nichts anstrengend, hier heißt es einfach nur: runterschlucken und gefallen. Eine unglaubliche Schönheit, die man im Grunde im Umfeld der ganzen Topweine – denn Demoiselle liegt direkt dort wo Angélus liegt, Beauséjour Duffau oder Beauséjour Bécot – nicht mit diesen Maßstäben messen darf. Der Alkohol ist überhaupt nicht zu spüren. Das trinkt sich nicht wie ein Wein. Man möchte denken, Demoiselle könnte auch ein wunderbarer Kinder-Fruchtsaft sein. Und weil er so unglaublich lecker ist, ist es auch sehr schwer, ihn als Essensbegleiter zu empfehlen, zumindest in der klassischen Kombination zu Gebratenem oder Geschmortem. Dafür ist er einfach zu zart, zu fruchtig, zu lieb. Ich finde es ist ein Stand Alone, ein Wein der anderen Art – ein «Nicht-Wein». Einfach grandios! *** Cuvée Demoiselle kommt aus zwei kleinen Plots aus den höchsten Lagen von Coutet, reiner Kalksteinfelsen ganz oben auf dem Plateau, direkt neben Beausejour-Duffau. Es sind die ältesten Reben des Hauses, über 80 Jahre, zum Teil über 100 Jahre alt, Cabernet Franc und Merlot, aber nur die spezielle, uralte Form der Merlot mit winzigen Beeren und rotem Saft. Und so gehen sie auch in den Wein. Es werden lediglich 2.000 Flaschen erzeugt. Der Name Demoiselle kommt daher, dass der Urgroßvater auf dem Weingut verblieben war, während der Großvater mit den Franzosen in den Indochinakrieg zog. Er blieb dort 20 Jahre. In der Zwischenzeit hielt der Urgroßvater mit den drei Schwestern von Adriens und Mathieus Großvater die Stellung. Die drei Schwestern gaben sich ein Gelübde, niemals zu heiraten und Kinder zu kriegen, um das Weingut nicht zu gefährden. Außerdem haben sie nichts verkauft – es blieb also immer bei den ganz ursprünglichen Rebbeständen und bei der biologischen Bewirtschaftung. So kam es 2014 als Ehrung dieser aufopferungsvollen Arbeit zu dieser Cuvée und ihrem Namen. Diese Supercuvée der Demoiselle wird exakt gleich auch in eine Spezialflasche mit verschweißtem Glas gefüllt. Dann kostet er allerdings 300. Das ist der gleiche Wein. Ein Wein der für Jahrhunderte weggelegt werden soll. Lassen sie uns bei der normalen Flasche bleiben. Diese 50/50 Cuvée aus den ältesten Reben vom besten totalen Bio-Terroir in Saint-Emilion ist schon sehr speziell. In diesem Wein ist eben die Merlot-Form, die einen roten Saft hat. Mit extrem kleinen Beeren. Eine Form, die es nur noch auf Château Coutet gibt. Die Urform der Merlot. Die Reben aus diesem Plot sind über 100 Jahre alt. Winzige Erträge. Das Besondere an diesem speziellen Wein ist, dass er komplett im Holz vergoren wird und bei der Mazeration extrem lange auf den Schalen belassen wird. Es wird alles ohne pumpen bewegt und ohne künstliche Bewegung zu Beginn mit den Füßen getreten. Der Wein verbleibt dann bis zum folgenden April im großen Holzfuder und wird erst dann in Barriques gefüllt. Demoiselle wurde 2017 dann zusätzlich erstmals umgestellt auf eine Entrappung per Hand. In Italien bei Altare nennt man das uno per uno. Das ist eine Methode, wie sie fast nirgends mehr möglich ist. Hier wird wirklich über zwei Tage mit einem Team von 80 Leuten (Freunde des Hauses, Gastronomen, Händler) jede einzelne Traube von Hand entrappt. Es gibt kein einziges grünes Element. Das ist die Quintessenz aller optischen Sortiermaschinen. Perfekter geht es gar nicht. Jede einzelne Beere wird von Hand herausgenommen, gesichtet und entschieden ob ja oder nein. Das ist vielleicht auch die Besonderheit, warum Demoiselle nochmals so viel anders, weicher und in seiner abgehobenen Art extremer ist, aber auch der hohe Eisenanteil in den Böden dieser Lage hat Einfluss auf den speziellen Geschmack. Der Charakter von Demoiselle unterscheidet sich doch recht klar vom normalen Coutet.