43 Prozent Cabernet Sauvignon, 50 Prozent Merlot und sieben Prozent Cabernet Franc. Die Nase erinnert unmittelbar an Pontet-Canet. Die Himbeere aus nur sieben Prozent Cabernet Franc dominiert sehr stark. Hochintensiv mit heller Lakritze, dann kommen süße rote Kirsche, Sauerkirsche und Schwarzkirsche. Das Ganze ist mit Veilchen und Rosenblättern unterlegt. Feine florale Duftigkeit, gleichzeitig eine hohe, eher rotfruchtige Aromatik. Der Mund entschädigt für alle Fragezeichen, die vorher in der Nase dagewesen sind. Er ist näher an Mouton und Lafite als an Pontet-Canet. Wir haben diese unglaubliche Feinheit von Lafite und gleichzeitig diese würzige Power von Mouton. Geniale rote Frucht mit hoher Säure und hoher Intensität. Helle Lakritze, Veilchen, das Ganze mit Erdbeere, Himbeere und Cranberry unterlegt. Dann kommen schwarze und rote Kirsche. Tolle Länge mit Minze und After Eight. Trotz all dieser Intensität ist der Wein total verspielt. Die Tannine sind seidigst. Da ist nichts hart, da ist nichts grün, alles ist reif und trotzdem ist der Wein überhaupt nicht schwer. Final ist er im Charakter dann wohl doch näher an Lafite als an Mouton. Es ist auf jeden Fall ein wunderschöner, traumhafter, perfekt zum Jahrgang passender 2022er. Ich bin sehr begeistert von diesem Wein, der anders ist als der etwas massivere 2020er. Superbes Terroir, superbe Feinheit, tolle Machart. Eine unglaublich gute Entdeckung! *** Das winzige, nur 1,2 Hektar große Boutique-Weingut Chateau Chantecler liegt auf dem wohl teuersten Flecken Rebland des gesamten Medocs! Jeder kennt diesen Flecken in Padarnac, wenn man von der Hauptstraße der Chateau Route abbiegt zu Mouton Rothschild und Ponte Canet. Die hohe Kieslinse, allerbestes Terroir mit alten Reben, biologisch und sogar biodynamisch bewirtschaftet aber ohne Zertifikat. Die direkt angrenzenden Rebflächen sind Mouton, Lafite und Pontet. Die Familie des jetzigen Besitzers Yannick Miranda war drei Generationen im Besitz des früher 'Fleur Milon“ genannten 12 Hektar Weinguts auf eben diesem Plateau. Die in Frankreich extrem hohe Erbschaftssteuer und die etwas zerstrittene Erb-Verwandtschaft machte den Verkauf eines Großteils der Rebfläche unumgänglich, gut 10 Hektar und der ehemalige Weingutsname sind nun im Besitz von und Bestandteil von Mouton Rothschild. Den allerbesten Hektar mit der fettesten Kieslinse bewahrte sich Yannick als quasi Luxus-Kleinod und Erinnerung. Er stellte um auf Bio und bewirtschaftet die winzige Rebfläche quasi mit der Nagelschere und Minitraktor. Von 1,2 Hektar mit 53% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot und 7% Cabernet Franc gibt es weniger als 5000 Flaschen extraterrestrischen Luxus-Elixiers pro Jahr. Handentrappt und dann spontan im Stahl und Holz vergoren wird der Wein dann 18 bis 24 Monate im neuen und zweijährigen Barrique ohne Bâtonnage ausgebaut, bevor er infiltriert und ungeschönt auf die Flasche gezogen wird. Das Ergebnis wird nur im lokalen Umfeld und unter Freunden verkauft, selten gerät mal eine Flasche auf dem direkten Wege in den Export, wo er dann als qualitativer Überflieger und „Quasi-Mouton“ um die 100 Euro je Flasche seinen Liebhaber findet. Verglichen mit Pontet Canet, Lafite und vor allem Mouton Rothschild ist das bei gleicher Qualität ein sehr, sehr rares Schnäppchen.