Chapoutier: Ermitage Le Pavillon 2024

Chapoutier: Ermitage Le Pavillon 2024

BIO

Holzkiste

Zum Winzer

Syrah 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2034–2064
Verpackt in: 3er OHK
pikant & würzig
fruchtbetont
strukturiert
Lobenberg: 100/100
Decanter: 99/100
Frankreich, Rhone, Nordrhone
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Ermitage Le Pavillon 2024

100
/100

Lobenberg: Der Name des Lieu-dit, aus dem der Le Pavillon stammt, lautet Les Bessards. Es steht ein kleines Haus in diesem Weinberg, das dem Wein letztlich seinen Namen gegeben hat. Es wurde schonmal darüber nachgedacht, den Namen zu ändern, aber Le Pavillon ist inzwischen zu bekannt. Es ist ähnlich wie beim weißen De L’Orée – beide Weine tragen nicht den Namen ihrer Einzellage. Vielleicht sind diese beiden die herausragendsten Weine bei Chapoutier. Le Pavillon liegt direkt unterhalb von La Chapelle – wir sind hier also im absoluten Herz der Appellation Hermitage. Die Reben ziehen sich bis ganz nach unten, in der Mitte der Lage befindet sich eine kleine Kuppe. Wir haben somit sowohl eine Südexposition der Reben als auch eine Ausrichtung nach Osten und Westen. Alle Topwinzer haben den hier einen Anteil Reben, egal ob Chapoutier, Delas oder Chaves. Les Bessards ist das Herz des Hermitage-Bergs. Seit Jahrgang 2022 verwendet Chapoutier ein bisschen Rappenanteile in der Vergärung, das kam vor allem durch das Bestreben von Maxime Chapoutier. In 2024 sind es schon über 20 Prozent, um den Weinen noch mehr Drive und Fokus mitzugeben. Sie sind etwas später zugänglich dadurch, weil sie etwas schärfer werden, aber dafür reifen sie wahrscheinlich noch graziler. Maxime Chapoutier vergleicht den Jahrgang 2024 am ehesten mit 2010 in diesem kühlen, sehr fokussiert geradeauslaufenden und in der Jugend etwas unnahbaren Charakter. Die Weine brauchen Zeit, sind aber unglaublich fein und elegant. 2024 ist ein so schickes Jahr, wie eine Turbovariante des kühlen 2021. Wir sind ähnlich fein und saftig in der Aromatik, aber haben durch kleine Erträge mehr Druck und eine gewisse positive Austerität. Ich liebe den Duft des 2024er Pavillons, so schick, in völliger Einheit mit sich, nichts sticht heraus, alles passt, alles stimmt, alles schön. Warme rote Pflaume und kühler Bleistiftabrieb, auch etwas Veilchen, sehr verspielt, nicht die Wucht von 2022, sondern viel filigraner und klassischer. Ein Traum für Nordrhônefans. Diese kühle Eleganz im Syrah bei dennoch totaler Reife ist ja genau, was wir lieben. Kein Blockbuster, sondern ein Ausbund an Finesse, für Liebhaber der alten Schule. Und doch hat es diesen Schliff der Moderne, diese Perfektion im Tannin, die es früher nicht gab, jedenfalls nicht im Jungwein. Der Mund ist kanalisiert und frisch, etwas druckvoller als L’Ermite, aber weniger exotisch als Meal. Einfach die perfekte Mitte. Ein Zengarten in absoluter Symmetrie. Das ist schon atemberaubend gut, das hätte ich in 2024 wirklich nicht erwartet. Chapoutier hat mit die größten Weine der Rhône gekeltert in diesem Jahr. Wahnsinnig gut, gleichauf mit dem Finessewunder L’Ermite, aber die größere Harmonie hat der Pavillon.

Jahrgangsbericht

Wir springen in den letzten Jahren zwischen Jahrgängen der Moderne, wie 2020 und 2022, die heiß und extrem trocken sind, und solchen Jahren wie 2019, 2021 und 2024, die eher klassisch anmuten und vergleichbar kühl sind, wie es in den 1990er Jahren war. Der ganz große Unterschied ist, dass die besten Winzer heute ein Klima, vergleichbar mit vergangenen Jahrzehnten mit kühlen, regenreichen Sommern, später Lese und moderater Traubenreife, durch ihren genialen Weinbau viel besser ausbalancieren können. Aber das ist eben nur bei den Besten der Fall – da trennt sich die Spreu vom Weizen immer mehr. Viel Manpower, Laubarbeit, gestaffelte Lese, Schnelligkeit und rigoroses Sortieren machen dann den Unterschied zwischen Weltklasse und mittlerer Katastrophe – das gilt vor allem für die Südrhône. Für uns als Händler heißt das noch kompromissloser Einkaufen und sich weiterhin nur auf die handwerklich besten Winzer und großen Lagen zu fokussieren… Gerade die späte Lese und die daraus resultierende lange Hangzeit am Stock brachten aus diesem etwas kühleren, feuchteren Sommer bestenfalls ein so gigantisches Aromenfeuerwerk hervor, dass ich manchmal aus dem Staunen nicht herauskam. So eine aromatische Wucht! Solch einen dramatischen Druck und einen Reichtum an feinsten Facetten habe ich absolut nicht erwartet. Aber die ersten Primeurs 2024 bei den Großmeistern der Rhône wie Tardieu, Chapoutier, Ferraton, Clos des Papes und Co haben mich vielfach umgehauen! *** Südrhône – durchwachsen, aber spannend: 2024 war an der Südrhône geprägt von extrem hoher Feuchtigkeit im Winter wie im Frühling und auch der Sommer war eher durchwachsen. Extrem viel Mehltau-Befall bei Grenache und noch mehr bei Mourvèdre war die Folge. Dementsprechend gab es extrem kleine Ernten, weniger als 50 Prozent eines Normaljahres. Nur die sehr alten Reben bei gleichzeitig sehr späten Lesezeitpunkten brachten hervorragende Ergebnisse. Das setzte perfektes Terroir voraus. Trennte sich schon 2023 die Spreu vom Weizen, so gibt es 2024 im Süden vielleicht weniger als 10 Prozent echte Top-Erzeuger; 90 Prozent scheinen qualitativ eher mittelmäßig geraten zu sein. Die Rotweine der Region um Châteauneuf fallen eher hellfarbig aus, deutlich von der Grenache geprägt: beschwingt, duftig und fein. Weniger Power, sondern aromatisch-tänzelnde und alkoholärmere Weine mit zum Teil grandioser Aromatik. Die Allerbesten können eine Reminiszenz an große Weine aus dem Jahr 1978 sein. Wirklich grandios, satt in der Farbe, dennoch alkoholarm, fein, blumig verspielt und aromenstark sind aber eher die besten Weine aus Gigondas vor Rasteau und Vacqueyras mit grandios ausfallenden Syrah-Anteilen, die das kühlere 2024 mehr mochte. Auch die Villages Séguret und Vinsobres sind stark im Kommen! *** Nordrhône 2024 – Syrah-Weltklasse wie 2010: Maxime Chapoutier, Sohn der Rhône-Legende Michel Chapoutier, vergleicht den Jahrgang 2024 an der Nordrhône am ehesten mit 2010 – diesem kühlen, hochmineralischen, brachial fokussiert geradeaus laufenden und in der Jugend etwas unnahbar-steinigen Charakter. Und wer heute das Glück hat, die bestbewerteten 2010er Rhône-Weine im Glas zu haben, bekommt einen Vorgeschmack, wie überragend sich die 2024er in bester Trinkreife dann präsentieren können. Einige der besten 2024er brauchen sicher etwas mehr Zeit, sind in der Jugend nicht so opulent-charmant wie 2023 oder 2022, sondern von vornherein feiner, seidiger, rassiger und energetischer ausgelegt. Sie sind unglaublich fein und elegant, dennoch wahnsinnig dicht verwoben, mit engmaschigen, seidig-üppigen Tanninen. 2024 ist wirklich ein so schickes Jahr wie eine reifere Turbovariante des kühlen 2021 mit einem Touch der großen 2019er drin. Die Weine zeigen eine überraschend hohe Farbdichte, mit viel Violett. Schon daran sieht man, dass es trotz Kühle und moderatem Alkohol alles andere als ein dünner Jahrgang ist. Viele pfeffrige Noten, samtig-dichte und wollüstige Tannine. Üppige, beeindruckende Rotweine ohne viel Fett, aber dennoch tief, reif und fein, dabei bei sehr moderatem Alkohol eine gewaltige innere Dichte. Moderner Weinbau trifft das Klima der 1990er Jahre – großes Kino. *** Für die Weißen deutet sich gar ein durch die Bank grandioses Jahr an – deutlich feiner und rassiger als das mediterrane 2022, eher wie 2021 mit 2019, also ziemlich Best of the Best. 2024 kann im Weißwein-Bereich sicher unter den größten Jahren rangieren, da sind sich die meisten Winzer jetzt schon einig.

99
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Decanter über: Ermitage Le Pavillon

-- Decanter: This shows a lovely classic Pavillon aromatic expression: spicy and exotic, with a touch of smoky bacon. A wine with incredible tannic finesse, so smooth and attractive, so seductive and elegant. With its great length, beautifully silky tannins, moderate alcohol and lively, bright acidity, everything is in perfect balance. Clearly a great vintage of Le Pavillon. Could be worthy of a 100 point score when bottled, all being well. Lowest production of Pavillon in 20 years, however, so grab it when you can.

Mein Winzer

Chapoutier

Seit der Gründung im Jahre 1808 hat jede Generation aus dem Hause Chapoutier auf eigene Weise dazu beigetragen, ihre Weine zu weltweiten Spitzenprodukten zu entwickeln. Das größte bisheriges Wagnis war die komplette Umstellung der Produktion der Einzellagen auf biodynamischen Weinanbau. Hier wacht...

Ermitage Le Pavillon 2024