Der Gaisböhl ist eine Monopollage von Bürklin-Wolf. Buntsandstein, Verwitterung, sandiger Lehm und ein bisschen Kalkmergel. Eine der wärmeren Lagen des Gutes. Ein bisschen weiter in der Ebene gelegen mit etwas mehr Sonneneinstrahlung pro Tag. Südosthang, also weniger Abendhitze. Alte Reben, biodynamisch bewirtschaftet, wie alles hier. Seit Kurzem werden alle Weine recht warm vergoren, es gibt keine Kühlung mehr, das nimmt den Weinen nochmal etwas Frucht in der Jugend und gibt mehr Struktur. Der Gaisböhl ist 2023 meiner Meinung nach besonders gut gelungen. Diese dunkle Tiefe und Komplexität, Frische und Reife perfekt aufeinander abgestimmt. Präzision, Brillanz, aber auch Fruchtcharme und Trinkigkeit – der Gaisböhl hat wirklich alles, was einen großen Riesling ausmacht. Zunächst leicht rauchige Kalksteinnoten in der ersten Nase. Dann kommen Zitronen- und Orangenschalen, Kumquat, reifer Pfirsich, Marille und Salzteig. Wie eine salzige Zitronentarte in der Nase. Dazu Muschelschale und leicht jodige Anklänge. Der Gaisböhl ist ohnehin der Wein, bei dem Kellermeister Nicola Libelli nochmal die größten Fortschritte gemacht hat. Jedes Jahr bin ich mehr begeistert von diesem Wein, weil er früher fruchtiger und manchmal auch etwas fetter daherkam, nun aber so klar definiert ist. Am Gaumen dann erstaunlicherweise ein »Maul voll Wein« – er trifft mit geballter Kraft und grandiosem Texturenspiel aus zupackender, reifer Säure, zarten Bitterstoffen und feinem Extrakt-Schmelz auf die Zunge. Ultra geschliffen, total brillant. Wirklich geballte Kraft mit unglaublich viel Frische. Auch hier wieder gesalzene, reife Zitrusfrüchte. Der Gaisböhl greift sich fest am Gaumen und läuft auf eine irre Länge hinaus. Satter Grip im Mund, die Tannine ziehen noch lange nach an den Backen, aber die schicke Frucht steht immer dagegen. Sehr salzig-mineralisch und etwas rauchig im Finale. Was für ein Erfolg, was für ein großer Gaisböhl!