Bürklin Wolf: Riesling Forst Village »P« Ortswein 2024

Bürklin Wolf: Riesling Forst Village »P« Ortswein 2024

BIO

VDP

Neu

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2044
frische Säure
mineralisch
Lobenberg: 96+/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Forst Village »P« Ortswein 2024

96+
/100

Während meines letzten Besuchs zeigte mir Kellermeister Nicola Libelli eine einzelne Fasspartie aus dem 24er Pechstein, die mich sofort elektrisierte. Er überlegte, ob dieses Fass vielleicht mit in das Große Gewächs oder in den Forst Village einfließen sollte – doch es war zu eigen, zu unverwechselbar in seiner Aromatik, um in der größeren Cuvée unterzugehen. Bürklin-Wolf besitzt zwei Teile im Pechstein: oben die jüngeren Reben, deren Trauben gewöhnlich im Ortswein landen, und unten, in der Kernparzelle, die alten Stöcke, die das GG prägen. Doch zwischen diesen Extremen stehen auch einige jüngere Reben im unteren Bereich – genau von dort stammt dieser Wein. Ein Übergang, ein Zwischenton – aber einer mit erstaunlicher Tiefe. Schon im Duft unverkennbar Pechstein und unverkennbar Bürklin: eine dichte Wolke aus Rauch, dunklem Gestein und salziger Mineralität, dazu Austernschale, Amalfi-Zitrone und ein Hauch Grapefruitschale. Ganz fein dahinter etwas Apfel und Kräuterwürze, kühl, klar, präzise. Die Nase ist tief, aber nicht laut – sie strotzt nur so vor Spannung. Am Gaumen dann diese typische, leicht vibrierende Energie: unglaubliche Intensität und große salzige Länge, wie man sie sonst nur vom GG kennt. Zitrone, Quitte, Ingwer und ein feiner, fast kreidiger Zug ziehen sich über die Zunge. Die Struktur ist kompakt, aber nie schwer, getragen von eleganter Säure und feiner Phenolik. Er wirkt etwas wilder, ungezähmter als das Große Gewächs, ohne dessen erhabene Ruhe, aber genau das macht seinen Reiz aus – ein Pechstein mit jugendlicher Spannung und vibrierender Frische. Ein Ortswein, der definitiv auf Premier-Cru-Niveau spielt – mineralisch, präzise, glasklar. Kühl, subtil und mit einer fast schwebenden Balance zwischen Kraft und Finesse. Ein echter Vorbote des Grand Crus – und schlichtweg eine kleine Sensation.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Mein Winzer

Bürklin Wolf

Bürklin Wolf greift auf eine Historie zurück, die bis ins Jahr 1597 geht. Doch den Status als Primus inter pares verdankt es besonders Bettina Bürklin-von Guradze, die das Weingut seit 1992 leitet.

Riesling Forst Village »P« Ortswein 2024