Bruno Giacosa: Barolo Falletto Vigna Le Rocche 2022

Bruno Giacosa: Barolo Falletto Vigna Le Rocche 2022

Holzkiste

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2045
Verpackt in: 6er OHK
voluminös & kräftig
tanninreich
pikant & würzig
Lobenberg: 96–98/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Falletto Vigna Le Rocche 2022

96–98
/100

Dieser Falletto hat nichts mit der Ortschaft Castiglione Falletto gemein, sondern ist nach der 13 Hektar großen Monopollage des Weingutes in Serralunga benannt. Die gesamte Weinbergsfläche von Giacosa umfasst hier 13 Hektar, in einem Amphitheater in Süd-Südwest-Exposition. Diesen Wein gibt es als Falletto (di Serralunga), aus der Lage direkt unterhalb der großen Cru Lage Vigna Le Rocche di Falletto und wie in diesem Fall als Vigna Le Rocche aus dem oberen Teil der Lage. Bruno fand bereits in den 1990er-Jahren, dass die Trauben im oberen Teil sogar noch elegantere Weine ergeben und dadurch besonders für den längeren Ausbau geeignet sind und ein besseres Reifepotenzial haben. Deshalb schuf er einen separaten »Cru im Cru«, der in den besten Jahrgängen mit dem ikonischen »Red Label« auf den Markt gebracht wird. Der Wein aus dem oberen Teil der Lage wird jedoch immer separat ausgebaut, und somit kommen aus der Lage Falletto di Serralunga immer zwei verschiedene Weine. Im Moment ist der Ort Serralunga übrigens der absolute Brennpunkt von Barolo, die besten Erzeuger von Giacomo Conterno, Altare, Vietti bis hin zu Gaja sind alle hier in Serralunga unterwegs, weil das Terroir dort so einzigartig ist. Und weil Serralunga diesen Spagat schafft, aus der maskulinen Seite von Castiglione Falletto und der Weichheit, der Eleganz aus Monforte. Der Wein wird in Tini vergoren, das sind traditionelle 50 hl fassende Holzfässer, die nach oben hin schmal zulaufen. Danach geht er für 34 Monate in große Eichenfässer von Gamba aus französischem Holz und Stockinger aus slowenischem Holz. Nach weiteren sechs Monaten Flaschenlager kommt der Barolo Falletto di Serralunga dann als White Label auf den Markt. Im Juli 2025 abgefüllt, ich probiere im Oktober 2025 auf meiner Piemont Tour, der Wein kommt im Januar 2026 auf den Markt. Leuchtendes Rubinrot. Die Nase schiebt druckvoll und imposant mit wilden Kirschen, Schlehen und Pflaumen, sogar ein zarter Hauch schwarzer Johannisbeere kommt hinzu. Elegant und perfekt »weinig« hat der Wein eine selbstbewusste, erhabene und anmutige Aura. Zart duftende Gewürze über schwebenden Blüten legen sich darüber. Beim Riechen scheint dieser Stoff bereits in einem wunderbar attraktiven, zugänglichen Stadium zu sein. Veilchen und Kräuter schweben mit Lakritz, etwas Vanille, würzigen Wacholderbeeren und Nelken über dieser reichhaltigen Frucht. Im Mund trifft die knallrote Kirsche mit tänzelnder roter Johannisbeere und auch der fein-griffigen Tanninstruktur roter Johannisbeeren auf die Zunge – der Wein leckt sie mit der Haptik einer Katzenzunge. Hagebutten, Nelken, ein Hauch würziges Lorbeerblatt mit Salbei und auch würzigen, fleischigen Aromen sowie zart schmelzender Milchschokolade. Die Mineralik ist dunkel, rauchig und dabei beinahe graphitartig im Nachhall und die Säurestruktur des Weins ist auffallend frisch und bietet dieser monumentalen, opulenten Frucht ein mega tolles Gegengewicht. Dennoch brauchen die vielen Tannine ein paar Jahre Flaschenreife, um in die reichhaltige Frucht integriert zu werden. Ein schicker, sehr klassisch anmutender, druckvoll schiebender Barolo!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

Mein Winzer

Bruno Giacosa

Bruno Giacosa war als Traditionalist das Gegenteil der jungen wilden Barriquefreunde Altare, Scavino, Sandrone, Clerico, Gaja und Co. Seine extrem eleganten Weine sind trotz ihrer von kaum einem anderen Erzeuger erreichten Finesse in der Jugend verschlossen, obwohl er sie immer erst ein bis drei...

Barolo Falletto Vigna Le Rocche 2022