Reinsortige, autochtone Dona Blanca aus Carracedola in Bierzo. Die Rebsorte hat diverse Namen, Siria wird sie auch genannt, eine Kreuzung von Cayetana Blanca und einer Unbekannten. In Portugal ist sie seit 1531 unter dem Namen Alvaro de Sousa bekannt. Vermutlich liegt der genaue Ursprung der Sorte im Umfeld der Stadt Pinhel im Nordosten Portugals. 70 Jahre alte Reben auf Kalkstein mit etwas Lehmauflage, Buschwein, minimale Erträge. Es gibt als Ergebnis nur 1 Barrique. Handlese, langsame Ganztraubenpressung mit den Füßen (foodtrodding) im offenen Holzfass. Spontane, langsame Vergärung. Malo im gleichen Fass und Ausbau auf der Hefe für 15 Monate. Ungefilterte Abfüllung. Granit-Kalkstein-Nase, Salbei, Flieder, Jasmin. Helle Lakritze, weiße Schokolade, Quitte, mürbe Birne und Litschi. Was für eine aromatische Sensation, sehr eigenständig. Chili, weißer Pfeffer, weiße Birne, Kumquat. Bitterorange mit aromatischer Reineclaude und Aprikose als hocharomatischer Mundeintritt, dazu wieder diese famose Krautwürze aus der Nase und eine geniale salzige Schärfe, die aber von sahniger Quitte und chilischarfer-Birne nebst Ingwer und Kimschie in einer Balance der anderen Art gefangen wird. Der scharfe, extrem ausdrucksstarke Extremist, der zugleich ein sahniger Charmeur ist, steht für Minuten. Ein feines Bitterschwänzchen vom phenolischen Tannin hinterlassend, gebettet in Sahne, an Marsanne und weißen Hermitage erinnernd. Der Oszillograph zwischen Schärfe, Süße, Charme und Bitterstoff spielt verrückt im Mund. Und trotzdem ist der Grundansatz Balance und Harmonie. Dieser Wein gehört zu den ganz großen Weißweinen in meinem Portfolio, in Spaniens Top-10 allemal, und er steht weltweit unter den Unikaten aus autochtonen Rebsorten sicher mit in der ersten Reihe. Freakstoff aber nicht anstrengend, aber er braucht erfahrene Gaumen um vollends entdeckt zu werden. Bravo Gregory! 99-100/100
2023 war sehr warm, aber er ist deutlich kühler und balancierter als der noch heißere und trockenere 2022. Nicht so aufregend und extrem wie 2021, eher eine reife und harmonische Version von 2020. Und so ist 2023 durchaus eine Fortsetzung der so großen Jahrgänge seit 2019. Luis Gutierez, Parkers Mann für Spanien, fasst den Jahrgang 2023 anhand von Alvaro Palacios Weingütern ganz im Westen und ganz im Osten, somit Landesübergreifend so zusammen: 2023 was an even more generous crop than 2022 … the wines have better balance, and it doesn't feel like a warm year at all. In fact, the wines feel more like they come from a cool year. It's a vintage that has a tendency toward reduction, not as much as 2020, but still reductive. But it's an elegant, stony reduction...The quality of the 2023s is stunning. There is a level of precision, cleanliness, symmetry and elegance that, if the end of the élevage and the bottling goes as expected, I must conclude that 2023 might be the finest vintage ... There might be other individual wines that reach higher peaks, but as an overall portfolio, the vintage 2023 represents the strongest collection ever produced.