Bischel: Riesling Heerkretz Großes Gewächs 2024

Bischel: Riesling Heerkretz Großes Gewächs 2024

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2050
frische Säure
mineralisch
fruchtbetont
Lobenberg: 97/100
Suckling: 95/100
Falstaff: 95/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Heerkretz Großes Gewächs 2024

97
/100

Heerkretz liegt in Siefersheim, in der Rheinhessischen Schweiz. Der Weinberg kam durch einen Lagentausch mit Wagner-Stempel ins Portfolio. In 2024 ist es nur ein kleiner Edelstahltank, kein Holzeinfluss, sehr pur. Die Trauben haben in 2024 eine Maischestandzeit von ein paar Stunden bekommen, um etwas mehr Stoffigkeit zu bekommen und die Säure zu bändigen. Eine steile Lage, windoffen, eher kühl. Porphyrboden, also vulkanisches Gestein. Die Weine werden hier immer schlanker, stahliger, eleganter. Die Lage ist von ihrer ganzen Art eher vielleicht sogar eher der Nahe zuzurechnen, die Lese ist hier auch extrem spät für Rheinhessen-Verhältnisse. Heerkretz ist das reduktivste, wildeste und straffste GG bei Bischel, wir haben nicht die kühle Eleganz des Hundertgulden und nicht die warme Würze des Scharlachberges. Die Heerkretz ist eben extrem karg, sehr steinig, wild. Ob der ziselierten, etwas in sich gekehrten Art mag man die Heerkretz leicht unterschätzen in ihrer Jugend, aber diese Weine reifen so unglaublich gut. Und mit den tiefen pH-Werten und der gigantischen Spannung in diesem 2024er wird wohl das ein Langstreckenläufer par excellence. Die Renaissance von 2004. Seine grünlichen Reflexe und die feine Balance verleihen ihm ewige Jugend, das ist großer Riesling für Insider, vom Melting Pot zwischen Nahe und Rheinhessen.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

95
/100

Suckling über: Riesling Heerkretz Großes Gewächs

Juicy and generous but also very crisp, this is a stunning Rheinhessen GG. Mango chutney on the nose, with a long, zesty finish and great mineral substance. Very limited production from organically grown grapes. Drink or hold.,,

95
/100

Falstaff über: Riesling Heerkretz Großes Gewächs

Reduktiv und noch verschlossen im Duft, Kümmelsaat, Rauch, reife Zitronen, gelber Apfel, steinige Noten, Limettenzeste. Geschmeidiger Auftakt, saftige Frucht, frische und eng anliegende Säure, sich nach und nach auffächernde Mineralik trägt ins lange Finale, mit guter Energie.,,

Mein Winzer

Bischel

Das Weingut Bischel ist unter Führung der beiden Brüder Christian und Matthias Runkel zu einem der aufstrebenden Stars des verjüngten Rheinhessen aufgestiegen. Die Krönung ihrer ambitionierten Arbeit war die Aufnahme in den VDP mit dem Jahrgang 2018.

Riesling Heerkretz Großes Gewächs 2024