Die Ried Stein ist ein echter Ausreißer im Portfolio von Bernhard Ott – geografisch wie stilistisch. Während die meisten Weine klar vom Wagram geprägt sind, liegt diese Lage bereits im angrenzenden Kamptal. Und genau das schmeckt man auch. Trotz der geringen Distanz wirkt der Wein deutlich anders – kühler, aromatischer, mit einer ganz eigenen Handschrift. Geologisch ist das hier ein echtes Mosaik unterschiedlichster Einflüsse. Löss bildet zwar die Basis, aber darunter liegt eine vielschichtige Mischung aus Schotterablagerungen eines alten Donaulaufs, marinen Sedimenten und sogar Gföhler Gneis. Dazu ein etwas frischeres Mikroklima und humusreiche Böden – das ergibt eine völlig andere Spannung als auf dem Wagram. In der Nase zeigt sich das sofort. Saftige, gelbfleischige Nektarine, dazu reife Zitrusfrucht und ein ganz feiner exotischer Touch. Dahinter schieben sich zarte Kräuter, etwas Blütenwürze und eine leicht steinige Mineralität. Wirkt offen, aromatisch, aber gleichzeitig sehr fein abgestimmt. Am Gaumen dann typisch Kamptal in der Interpretation von Ott: weich ansetzend, gelbfruchtig und saftig, aber mit Tiefe und Struktur. Die Frucht bleibt reif und präsent, wird aber von einer schönen, leicht pikanten Würze begleitet. Die Säure ist da, gibt Frische, bleibt aber immer im Hintergrund und sorgt eher für Balance als für Dominanz. Was besonders auffällt, ist diese Kombination aus Reife und Schlankheit. Der Wein wirkt konzentriert, hat Substanz, bleibt aber gleichzeitig elegant und fließend. Die Mineralität kommt eher subtil, baut sich mit Luft immer mehr auf und gibt dem Wein Länge.,Im Finale dann entsprechend lang, saftig und würzig, mit gelber Frucht und feinem mineralischem Nachhall. Ein eigenständiger, vielschichtiger Veltliner, der zeigt, wie spannend der Stilwechsel vom Wagram ins Kamptal sein kann – aromatisch, präzise und mit viel Tiefe.