Wenn man verstehen will, was Bernhard Ott unter Grünem Veltliner in Vollendung versteht, dann ist »Der Ott« seit jeher der Schlüssel. Eine Cuvée aus den Junganlagen der vier Spitzenlagen Spiegel, Stein, Rosenberg und Kirchthal – eigentlich ein Vorbote der Lagenweine, aber längst mehr als nur ein Hinweis, sondern vielmehr eine etablierte Marke. In der Nase direkt das satte Aromenspiel: Mirabelle mit reifer Netzmelone, saftige Birne, dazu ein Hauch Exotik, Frische von kandierter Limettenschale und Orangenblüte. Unterschwellig liegen frisches Hefegebäck, ein Hauch von blondem Tabak und dunklem Gestein. Alles wirkt enorm differenziert, nichts laut, eher wie eine perfekte Harmonie aus Frucht, Würze und mineralischem Grundton. Am Gaumen dann die ganze Handschrift Otts: cremig und dicht, ohne jemals fett oder laut zu werden. Eine satte, aber unangestrengte Struktur mit feinen Phenolen von der Korbpresse, dazu ein fast schwebender Gerbstoffgrip, der die Cremigkeit wunderbar einfasst. Die Säure ist seidig-zart, nicht fordernd, der Wein lebt klar von seiner stoffigen, rauchig-mineralischen Textur. Weißer Pfeffer blitzt auf, dazu gelber Apfel, Birne, ein feiner Kräuterstrauß, fast schon balsamisch getragen. Der Ott ist ein Musterbeispiel für große Balance: sinnlich, charmant, cremig und zugleich von subtiler Spannung getragen. Alles ist da – Frucht, Würze, mineralische Tiefe, Länge. Ein Wein, der jetzt schon ungemein Freude bereitet, aber die innere Dichte und Substanz besitzt, um einige Jahre zu reifen. Das ist quasi die »Grande Cuvée« aus Otts besten Parzellen, eine Art »Zweitwein« der Riedenweine. Stark!