Battenfeld–Spanier: Riesling Auf dem Kalkofen 1G Erste Lage 2024
- Riesling 100%
- weiß, trocken
- 12,5% Vol.
- Trinkreife: 2026–2039
- mineralisch
- frische Säure
- voll & rund
- Lobenberg: 96/100
- Yves Beck: 98/100
- Suckling: 95/100
- Giuseppe Lauria: 96/100
- Meininger: 95/100
- Jancis Robinson: 17.5/20
- Deutschland, Rheinhessen
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur:
Battenfeld-Spanier, Oelmühlstraße 25, 55294 BodenheimZutaten:
Trauben Konservierungsstoffe / Antioxidantien: Sulfite (E220–E224)100ml enthalten durchschnittlich Brennwert 75 kcal / 311 kJ Kohlenhydrate 1,3 g Zucker 0,3 g Enthält geringfügige Mengen von Fett, Fettsäuren, Eiweiß, Salz
Heiner Lobenberg über:
Riesling Auf dem Kalkofen 1G Erste Lage 2024
/100
Das ist im Grunde der Zweitwein des berüchtigten CO, auch wenn ihn das der Bezeichnung nach viel kleiner macht als er ist. Die Reben stehen auf einem extrem kargen Kalksteinfelsen im Herzen des kühleren Zellertals. Das Zellertal ist DER Hotspot der letzten Jahre. Die Vermählung des kühleren Rheinhessen mit der Kraft der Pfalz wird nirgendwo so deutlich wie hier – und kaum ein Wein hat das in den letzten Jahren so eindrücklich bewiesen wie der CO. Umso besser, dass er jetzt einen günstigeren Bruder im Geiste bekommt, der denselben Genius loci in sich trägt. Durchgegoren auf nur 1.5 g/l Restzucker und im Stückfass ausgebaut für 14 Monate. Der Wein strahlt so viel Kalkstein aus, wie es nur geht. Herbsaftige Agrumenzesten darunter, grüne Aprikose, Zitronengras und Tonicwater, viel Zellertaler Minz-Aromen, die sehr typisch sind. Der Mund ist wie Kalkstein lutschen, hat einen wahnsinnigen salzigen Zug, die Zunge rollt sich, immer neue Wellen von griffigem Kalkstein rollen an, dann wieder Agrumen und Zitronengras, athletisch und straff gebaut, jeder Muskel ist angespannt. Das ist der Usain Bolt des Zellertals, zieht von Null auf Hundert die herbsaftige Frucht über die Zunge, dass es gerade so kracht.
Jahrgangsbericht
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!
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Yves Beck über: Riesling Auf dem Kalkofen 1G Erste Lage
Die Konzentration und Tiefe des Bouquets liefern sofort wertvolle Informationen über den Stil des Weins, der ebenso auf Frische wie auf Mineralität ausgerichtet ist. Er zeigt Nuancen von Zitrusfrüchten und nassen Steinen. Schon das Bouquet kündigt eine außergewöhnliche Eignung für die Lagerung an ... oder besser gesagt: eine Tendenz dazu! Der salzige und dichte Auftakt ebnet den Weg für einen linearen, präzisen, spannungsgeladenen und eleganten Wein. Die sanfte Extraktion schließt Süße aus, und die 1,5 g Restzucker widersprechen dem nicht. Finesse und Delikatesse zeichnen diesen Wein aus, während seine Kraft im Hintergrund wirkt und zusammen mit der Säure, die für Temperament und Salzigkeit bis zum Abgang sorgt, für Schwung sorgt. Ein Wein, der sich auf Details konzentriert. Er ist filigran, köstlich und macht Lust auf mehr. Ein kohärenter, umwerfender Wein, der die unglaubliche Fähigkeit besitzt, jetzt zu glänzen und gleichzeitig sein Alterungspotenzial zu zeigen.
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Suckling über: Riesling Auf dem Kalkofen 1G Erste Lage
Tief flintig mit großer Substanz und einer radikalen Kalkstein-Persönlichkeit.
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Giuseppe Lauria über: Riesling Auf dem Kalkofen 1G Erste Lage
Super flinty und würzig, weißer Pfeffer, gekonnte Reduktion, hellstrahlend, druckvoll, elegante Textur, finessenreich mit salziger Linie.
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Meininger über: Riesling Auf dem Kalkofen 1G Erste Lage
Noch extrem jugendlich mit seiner edlen Reduktion, einer Mischung aus Feuerstein und Johannisbeerholz, kurz gegrilltem Weinbergpfirsich, gefolgt von einer eleganten, rauchigen Mineralität, die nur auf einem ausgeprägten Kalkstein-Terroir entstehen kann, hinter der dunklen Fassade plötzlich viel Licht, helle Zitrusfrüchte und fast körnige Kräuternoten; Nach dem aromatischen Auftakt strafft er sich, wieder mit Johannisbeere, bleibt gelassen und entwickelt dennoch viel Druck und große aromatische Länge mit leicht kreidiger Textur, leicht salzig, durchgehend saftig und mit kühler Frucht.
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Jancis Robinson über: Riesling Auf dem Kalkofen 1G Erste Lage
The salt-and-stone prologue that has become the Hans Oliver Spanier signature. Apple and grapefruit surface with surgical precision, and the soul remains austere – a study in geologic friction as challenging as the barren vineyard outcrop itself. Tension fuels a taut citrus juiciness atop an architectural core of alpine herbs and smoky stone. A bracing wave of tonic and wild mint lends vertical depth to this Rorschach of shifting, focused minimalism. Cerebral, uncompromising and profound.
Battenfeld-Spanier
H.O. Spanier könnte man auch als den Grandseigneur Rheinhessens bezeichnen, nur wenige haben die Region und auch den deutschen Weinbau generell in den letzten Jahrzehnten so geprägt wie er. Er ist ein Bio-Pionier erster Stunde!