Freisa ist eine autochthone, mit der Nebbiolo verwandte, Rebsorte der piemontesischen Bauern mit genialer Frische und hoher Würze. Leider ist sie deshalb fast ausgestorben – der Wein ist eigenwillig und kratzbürstig in seiner würzigen Mineralik. Auch neigt die rustikale Freisa gerne zur Nachgärung in der Flasche und muss deshalb und wegen der reduktiven Noten und hohen Sedimente zwingend dekantiert werden, dann ist er nach einer Stunde ein genialer Wein. Aus allen zuvor genannten Gründen findet Freisa kaum jemals den Weg in den Export, ich konnte mit Engelszungen um eine Minimenge werben. Die Trauben kommen aus Morrobiolo di Bussia, hier hat das Weingut eine gerade mal 2.700 Quadratmeter große Parzelle. Im Beton vergoren, dann für ein Jahr im großen Holzfass und anschließend ein Jahr auf der Flasche gereift, bevor diese Freisa auf den Markt kommt. Früher ging auch Maria Teresas Freisa meist nochmal durch eine zweite Gärung in der Flasche. Oft waren die einzelnen Flaschen dadurch etwas unberechenbar und jede davon hatte eine eigene Persönlichkeit. Seit dem Jahrgang 2020 hat sich Maria Teresa entschieden, ihre Freisa nur noch komplett durchgegoren abzufüllen. Wegen des wärmer werdenden Klimas und des damit einhergehenden höheren Zuckergehalts wurde die zweite Gärung zu unkontrollierbar. Leuchtendes Rubinrot mit eingefärbten, öligen Tränen am Glasrand. Schwebende Nase voll duftender Walderdbeeren, zart schwebenden Blüten, braunen Gewürzen, Eisen, etwas Blut, Mahagoniholz, Graphit und dann wieder duftende, aber sehr feine, tänzelnde Veilchen und Kräuter-Aromen wie Salbei und Lindenblüte, ein Hauch Tannennadeln, Minze, weiße Lakritz und Orangenzesten. Diese wunderbare, eher zarte Aromatik hat auch etwas von der legendären Bartolo Mascarello-Mystik. Im Mund sind die Tannine zart und griffig, von beinahe sandiger Textur. Rote und blaue perfekt reife frische Frucht in Form einer Waldbeerenmischung mit dezent bitteren Tanninen. Der Wein endet geradlinig auf der Zunge mit beinahe schwebend leichter Schwarzkirsche, dunkler Schokolade, einer salzigen Kalkstein-Mineralik. Diese mineralische, beinahe kühle Würze kommt vermutlich von den Mergel Böden des unteren Teils der Lage Bussia in Monforte. Es werden leider nur 2.000 Flaschen gemacht. Aber wer sich eine Flasche sichern kann, kann sie ohne Probleme ein paar Jahre im Keller vergessen.