Dolcetto ist eine ordentliche Diva im Weinberg. Maria Teresa sagt, sie muss wesentlich mehr bearbeitet werden als Nebbiolo. Die Dolcetto-Reben stehen zum Teil in Rue, ganz in der Nähe zu Maria Teresas Nebbiolo-Lage, zum größeren Teil in Morrobiolo di Bussia, wo auch ihre Freisa herkommt. Es gibt jedes Jahr nur eine winzige Menge von 6.000 Flaschen. Die Trauben werden in der Regel Mitte September gelesen und dann für neun Monate in großer slawonischer Eiche ausgebaut, das Fass ist mittlerweile über 20 Jahre alt. Im Juli auf die Flasche gefüllt. Dolcetto ist im Vergleich zum Nebbiolo ein richtiges Sensibelchen. Zum einen, weil die Traubenschalen viel dünner sind, zum anderen verrieseln während der Blüte auch einzelne Beeren. Es ist äußerst selten, eine komplette Traube mit allen Beeren zu ernten. Der Wein wurde im Juli 2025, also drei Monate vor meiner Probe, abgefüllt. Mittleres, vibrierend leuchtendes Violett. Zart schwebende, dunkle, fruchtige Nase mit Brombeeren, Schwarzkirschen sowie Heidelbeeren und Veilchen. Alles ist so zart schwebend, zugleich erstaunt mich diese puristische, klare Frucht, die mit dem duftenden Hauch Lakritz und dunklen Gewürzen wie Nelken durchzogen ist. Im Mund hat der Wein eine krasse Spannung – er knistert geradezu auf der Zunge! Knackige schwarze Johannisbeeren und Brombeeren spielen mit Frische und Salzigkeit. Der Wein hat 13% Vol. in den Vorjahren war es gut 1% Vol. mehr. Dieser Dolcetto ist jedes Jahr frisch und präzise, aber dieses Jahr ist die Säurestruktur sogar noch linearer. Ein Wein der Trinkfreude, nichts ist schwer, alles ist schwebend und trinkanimierend. Feine, beinahe staubige Tannine machen den Wein zudem wuderbar zugänglich. Nichts zum Niederknien, aber auch kein gewöhnlicher Dolcetto – er hat den magischen Bartolo Mascarello Fingerabdruck. Es lebe die Trinkfreude!