Bartolo Mascarello: Dolcetto d'Alba 2022

Bartolo Mascarello: Dolcetto d'Alba 2022

Limitiert

Zum Winzer

Dolcetto 100%
rot, trocken
14,0% Vol.
Trinkreife: 2024–2035
fruchtbetont
strukturiert
Lobenberg: 93+/100
Jancis Robinson: 17/20
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Dolcetto d'Alba 2022

93+
/100

Lobenberg: Dolcetto ist eine ordentliche Diva im Weinberg. Maria Teresa sagt, sie muss wesentlich mehr bearbeitet werden als Nebbiolo. Die Dolcetto-Reben stehen zum Teil in Rue, ganz in der Nähe zu Maria Teresas’ Nebbiolo-Lage, zum größeren Teil in Morrobiolo di Bussia, wo auch ihr Freia kommt. Es gibt nur eine winzige Menge von 6.000 Flaschen. Die Trauben werden in der Regel Mitte September gelesen und dann für neun Monate in großer slawonischer Eiche ausgebaut. Im Juli auf die Flasche gefüllt. Dolcetto ist im Vergleich zum Nebbiolo ein richtiges Sensibelchen. Zum einen, weil die Traubenschalen viel dünner sind, zum anderen verrieseln während der Blüte auch einzelne Beeren. Es ist äußerst selten, einen kompletten Bunch mit allen Beeren zu ernten. Der Wein wurde vor zwei Monaten, im August 2023 abgefüllt. Mittleres Rubinrot. An der Nase vibriert dieser Dolcetto voller saftiger, reifer Schwarzkirschen und Sauerkirschen. Aber was am meisten hervorsticht und beeindruckt ist das wundervoll duftige Aroma von weißen Blüten, Veilchen und Lavendel mit etwas weißem Lakritz. Würzige Lorbeer- und Zedernholznoten entwickeln sich im Glas. Im Mund trifft zunächst eine beinahe überschwänglich saftige Kirschnote auf die Zunge, und dann kommt erstmal Struktur. Das ist dieses Jahr ein wirklich ernsthafter Dolcetto, Stoff vom anderen Ster mit extra Druck drauf! Er hat viele Tannine, sie sind leicht griffig und mit einer spannenden Säurestruktur, die sich schnurstracks in der Mitte über die Zunge zieht. Aber auch im Mund hallt das duftige, blumige Aroma lange nach, Bitterorangen und Veilchen. Absolut wunderbar. Obwohl das Jahr sehr warm war, haben wir hier eine sagenhafte Balance im Mund. Ein Leckerli! Nichts zum Niederknien, aber auch kein gewöhnlicher Dolcetto. Hier ist der magische Bartolo Mascarello Fingerabdruck dran, der bringt die pure Freude direkt ins Glas. 93+/100

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

17
/20

Jancis Robinson über: Dolcetto d'Alba

-- Jancis Robinson: Alluring rich sour cherry and crushed raspberry with the typical inky note. Full, crushed blueberry and raspberry fruit that is completely dry. Very long, aromatic and full without being heavy. 17/20

Mein Winzer

Bartolo Mascarello

Vor einigen Jahren starb einer der Großmeister des Barolo. Traditionelle Methoden, minimale Erträge und überhaupt extrem winzige Mengen seines Ausnahmeweins waren sein Markenzeichen, ergänzt um kuriose und sehr humorige Streitigkeiten und Tiraden gegen den „Opportunisten“ Berlusconi.

Dolcetto d'Alba 2022