Azienda Agricola Brovia: Barolo Rocche di Castiglione 2022

Azienda Agricola Brovia: Barolo Rocche di Castiglione 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2050
tanninreich
voluminös & kräftig
seidig & aromatisch
Lobenberg: 97–99/100
Galloni: 95/100
Decanter: 95/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Rocche di Castiglione 2022

97–99
/100

Rocche ist die höchste Cru Lage in Castiglione Falletto und wahrscheinlich die steilste Lage in ganz Barolo, daher ist sie in Terrassen angelegt. Die Parzellen von Brovia liegen direkt unterhalb des Weinguts Vietti. Perfekte Südostausrichtung. Rocche steht immer im Wettstreit mit der benachbarten Lage Villero, die einen höheren Anteil an Tonböden hat und dadurch kräftigere Weine mit größerer Intensität hervorbringt als die feinere Rocche. Rocche und Villero sind zwei der allerbesten Lagen in Castiglione Falletto. Beide Lagen liegen auf sehr alten Gesteinsformationen. Der hohe Anteil von 66 Prozent Sand im weißen Lehmboden gibt Rocche zusätzlich zu der leicht kühleren Lage noch extra Finesse und Eleganz. Dementsprechend reagiert Rocche aber auch auf die klimatischen Eigenheiten der Jahre sehr sensibel und an diesem Wein kann man daher immer den Charakter des Jahrgangs perfekt ablesen. Rocche ist fast immer der eleganteste Wein von Brovia, was eben auch an diesem hohen Sandanteil liegt. Bei Brovia werden alle Crus ganz genau gleich gemacht. Die Trauben werden immer zu 100 Prozent entrappt. Fermentation in Beton, wo der Wein drei bis vier Wochen auf der Maische bleibt. Anschließend wird er in einen Stahltank gezogen, wo die Malo stattfindet. Dann folgt der Ausbau in großen Holz-Botti von 3.000-4.000 Litern. Das Besondere bei Brovia: Hier wird die Maische übergepumpt, aber der Saft wird nicht von oben mit einem Strahl wieder zugeführt, sondern über eine flache Platte quasi darüber gesprüht. Alles, um elegante Weine zu machen und die Tannine der Schalen nicht zu sehr zu extrahieren. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Sehr offene, attraktive und perfekt zugängliche, erdige Nase voll reifer Kirschen, Pflaumen, Brombeeren, süßen Boysenbeeren und vielschichtiger eingelegter Kräuter. Duftendes Heu, frische Minze, getrocknetes Himbeerblatt und Potpourri sowie intensive, eingelegte Orange. Die erhabene, noble Teer-Aromatik dieses ausdrucksstarken Weins kommt bereits zum Vorschein. Trotz seiner Jugend bei meiner Probe Ende Oktober 2025 ist dieser Wein aromatisch schon im Bereich der Perfektion angekommen. Die salzige Kalkstein-Mineralik, frisch gedrehte Erde, gebackener Tonboden, brauner Tabak, exotische Gewürze – eine monumentale, präsente Nase mit der konzentrierten Power des Jahrgangs und einem Hauch Mystik! Der erste Schluck und ich bin sprachlos! Dieser Wein hat eine herausragende frische Säure mit knallroter Kirsche, roter Johannisbeere und Hagebutte, ein Hauch Lakritz, die Tannine sind fein geschliffen und beinahe samtig integriert. Im Mund ist der Jahrgang weniger fruchtintensiv und saftig als 2021, dafür ist er wohl proportioniert und definiert, er vermittelt sogar einen versammelt kühlen Eindruck. Zarte braune Gewürze, ätherische, dezent bittere Kräuter beleben im Nachhall den Gaumen. Auch im Mund taucht die noble Teer-Aromatik schon auf. Der spannungsgeladene Wein wurde im Juli 2025 abgefüllt und ist dennoch schon zugänglich und, ganz ehrlich, total faszinierend! Finesse, Power, Präzision und Würzigkeit in einem. Was für eine spannende Kombination! Ein wunderbar definierter, mit klassischen Aromen ausgestatteter Barolo in perfekten Proportionen. Ein Wein mit Größe. Winzer Alex Sanchez ist der Meinung, dass 2022 früher zugänglich sein wird. Der Jahrgang erinnert ihn an 2017 mit mehr Frische, er wird nicht unendlich lange reifen, aber ist garantiert und ganz ohne Probleme für 15-20 Jahre im Keller gewappnet. Dieser Rocche hat eine eher dunkle Aromatik und ist das stilistische Gegenstück zum ultra feinen, tänzelnden Rocche von Oddero. Die beiden Weine sind die besten Weine der Lage Rocche des Jahrgangs! Bravo Alex & Elena!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

95
/100

Galloni über: Barolo Rocche di Castiglione

The 2022 Barolo Rocche di Castiglione is a total stunner. A Barolo of exquisite finesse, the 2022 shows why this site is so highly regarded. Silky, aromatic and wonderfully deep, this is seriously impressive. All the vineyard signatures are beautifully delineated in the glass. Rose petal, sweet red berry fruit, chalk, mint and white pepper come alive. What a total delight. The Brovia Rocche is without question one of the wines of the vintage, which is one of the most erratic in recent memory. Bravo!

95
/100

Decanter über: Barolo Rocche di Castiglione

Despite precocious ripening leading to harvest on 19 September, this demonstrates exceptional balance and intrinsic breed of place. There is a brightness and freshness that underlines it from start to finish, and the scents of cherry blossom and raspberry are captivating. The acid is brisk and cleansing, and generous fruit becomes quite dense but never weighty, while stony minerals counter the rhubarb compote core. Powdery layers of tannins cling steadfastly but with a sense of ease and succulence.

Mein Winzer

Azienda Agricola Brovia

Die Geschichte des Weinguts der Brovia in Castiglione Falletto reicht bis in das Jahr 1863 zurück. Nach einem mehrjährigen Stillstand in der Weinproduktion nahmen sich 1953 Giacinto, Raffaele und Marina Brovia ein Herz und starteten quasi wieder von Null. Von Anfang an an setzte die Familie dann nur...

Barolo Rocche di Castiglione 2022