Azienda Agricola Brovia: Barolo Garblet Sue 2022

Azienda Agricola Brovia: Barolo Garblet Sue 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2045
pikant & würzig
seidig & aromatisch
Lobenberg: 95–96/100
Galloni: 93/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Garblet Sue 2022

95–96
/100

Garblet Sue liegt in Castiglione Falletto, aber im flachen Teil rund um das Weingut. Also eigentlich auf der Ebene von Barolo, aber die Lage gehört faktisch zur Gemeinde Castiglione. Wir haben hier überwiegend Kalkstein und weißen Lehm, also ein sehr profundes Terroir. Die durchschnittliche Höhe liegt bei 250 Meter. Villero und Rocche liegen nochmals deutlich darüber. Bei Brovia werden alle Crus ganz genau gleich gemacht. Die Trauben werden immer zu 100 Prozent entrappt. Fermentation in Beton, wo der Wein drei bis vier Wochen auf der Maische bleibt. Anschließend wird er in einen Stahltank gezogen, wo die Malo stattfindet. Dann folgt der Ausbau in großen Holz-Botti von 2.500-3.500 Litern. Das Besondere bei Brovia: Hier wird die Maische übergepumpt, aber der Saft wird nicht von oben mit einem Strahl wieder zugeführt, sondern über eine flache Platte quasi darüber gesprüht. Alles, um elegante Weine zu machen und die Tannine der Schalen nicht zu sehr zu extrahieren. 2022 wird es diesen Wein zum letzten Mal bei Brovia geben, denn der Leasingvertrag für die einen Hektar große Parzelle ist seither leider abgelaufen. Wie es so oft in der Region der Fall ist, wäre der neue Vertrag derart im Preis gestiegen, dass das Weingut kein Geld mehr damit verdienen können hätte. Leuchtendes Rubinrot. Ich probiere diesen Wein nach dem Rocche und dem Villero des Weinguts – beide haben die Messlatte des Jahrgangs hier sehr hoch angesetzt! Der Garblet Sue ist ein Charmeur. Reichhaltig duftende, reife Himbeere und Erdbeere sowie ein zarter Touch erfrischender Minze waben aus dem Glas. Reif und samtig elegant entwickelt sich immer mehr dieser betörenden Aromatik von zart schwebendem blonden Tabak, roten Blüten, braunen Gewürzen und auch einer darüber liegenden gelben Note von Pfirsich und etwas Kamille. Diese gelben Aromen hatte ich hier zuletzt im ebenfalls reifen Jahrgang 2020. Auch steinige Mineralik entwickelt sich zunehmend im Glas und baut sich von Minute zu Minute weiter auf. Salziger Kalkstein und zart rauchiger Graphit. Im Mund trifft dichte und immens saftige reife rote Kirsche auf die Zunge. Was für eine gnadenlose Spannung! Rote Johannisbeeren und Granatapfel, dezent bittere mediterrane Kräuter. Die Tannine sind rund, geschliffen und bereits perfekt in diese knackige aber auch opulente Frucht integriert – dieser Stoff ist so schick! Es scheint, als schiebe die monumentale, perfekt reife Frucht, die vielen Tannine mit präziser, gnadenlos geradliniger Frische zur Seite. Alles ist hier im harmonischen Gleichgewicht – das ist Eleganz und Struktur in perfektionierter Kombination. Komplett entgegengesetzt zu den tiefen, maskulinen Eigenschaften des Villero erhebt sich dieser Wein zu einem zarten Abschied – wohlgemerkt im intensiven Brovia Stil. Der letzte Jahrgang des Garblet Sue ist voll Finesse statt Power!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

93
/100

Galloni über: Barolo Garblet Sue

The 2022 Barolo Garblèt Sue' is a super-elegant wine. Aromatic and vibrant, the 2022 shows the sinewy tension that is so typical of this site. Dried cherry, mint, iron, dried herbs and crushed autumn leaves are all sculpted in the glass. The balance of fruit, tannin and overall structure is just masterful, especially within the context of the year.

Mein Winzer

Azienda Agricola Brovia

Die Geschichte des Weinguts der Brovia in Castiglione Falletto reicht bis in das Jahr 1863 zurück. Nach einem mehrjährigen Stillstand in der Weinproduktion nahmen sich 1953 Giacinto, Raffaele und Marina Brovia ein Herz und starteten quasi wieder von Null. Von Anfang an an setzte die Familie dann nur...

Barolo Garblet Sue 2022