Der Romirasco ist mit 410 Metern über dem Meer noch oberhalb der Cru Lage Cicala gelegen und die höchste Lage der großen Amphitheater-Lage Bussia. Schräg im Osten liegt etwas erhöht nur noch die Parzelle, aus der der weiße Bussiador kommt. Der Romirasco besteht zu 80 Prozent aus den ältesten Reben der Conternos, die in manchen Jahren zumindest teilweise dem Granbussia vorbehalten sind. Je 10 Prozent der ältesten Reben aus Cicala und Colonnello kommen zur Granbussia noch dazu. Der Romirasco entstand erstmals im sensationellen Barolo-Jahrgang 2004, als Hagelschäden die separate Abfüllung der dramatisch geringen Mengen Granbussia, des Colonnello und der Cicala sinnlos erscheinen ließ. Das Ergebnis war so überragend, dass der Romirasco nun der meiner Meinung nach beste Wein der Conternos ist. Die Mischung des Bodens besteht aus Kalkstein, Sand, Lehm, Eisen, sehr viel Magnesium, Mangan – er ist also eine gute Mischung aus Colonnello und Cicala. Die größte Lage des Hauses und der mit Abstand würzigste Wein. Manchmal nicht so kraftvoll wie Cicala und auf keinen Fall so verspielt und feminin wie der Colonello, aber immer würzig und ausdrucksstark. Die Traubenschalen werden vier bis fünf Wochen lang mazeriert, also recht lange, in traditioneller Barolo-Machart. Der Ausbau erfolgt dann für 32 Monate im Holzfass. Dieses Muster wurde Anfang Juni auf die Flasche gefüllt, es ist also noch sehr jung. Der Romirasco ist zu Beginn immer der schüchternste Wein von Aldo Conterno – er braucht und verdient daher extra Flaschenreife. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Erhabene, elegante Nase mit tiefgehenden erdigen Aromen und zugleich einer unbeschreiblich schönen, verspielten Duftigkeit von roten-, blauen- und Orangenblüten in herrlicher Intensität. Ich möchte die Nase gar nicht mehr vom Glas wegnehmen! Dieser Wein hat so unendlich viel Charme in seiner duftenden Schönheit! Die Präzision der perfekt reifen Frucht ist herausragend. Erdbeeren, rote Johannisbeeren, ein Hauch Vanille und rote Herzkirschen. Auch im Mund trifft eine saftige rote Kirschwelle mit vielschichtigen braunen Gewürzen und Vanille auf die Zunge. Die vielen Tannine sind reif und geschliffen – sie sind harmonisch in diese opulente, reife Frucht integriert. Der Besuch bei Aldo Conterno am drittletzten Tag meiner Piemont Tour im Oktober 2025 ist einer der Höhepunkte meiner Reise. Dieser Romirasco sorgt mit seiner unglaublichen Eleganz für atemberaubende Spannung auf der Zunge. Für mich ist er einer der besten Weine des Jahrgangs! Er bleibt minutenlang im Mund stehen. Der Jahrgang 2022 ist im Vergleich zum Jahrgang 2021 bei Aldo Conterno zugleich dichter in seiner Frucht, aber im Mund auch linearer. Dieser Wein hat eine echt erstaunliche Präzision, die auf die verführerisch süße Kirschfrucht im Nachhall überleitet. Giacomo Conterno berichtet, dass die Lage Romirasco aufgrund der Böden mit gutem Wasserhaltevermögen besonders widerstandsfähig ist, wenn es zu langen Trockenperioden kommt. Zudem sei das Geheimnis der Größe seines Jahrgangs 2022 die enorm penible Selektion der Trauben gewesen. Auch im Keller wurde anschließend noch einmal rigoros aussortiert. Was nicht den krassen Qualitätsansprüchen des Weinguts genügt, wurde als Fassware abverkauft! Diese Kompromisslosigkeit war in dem herausfordernden Jahrgang 2022 der Schlüssel zur Größe der Weine. Als Belohnung zählt das Weingut Aldo Conterno ganz ohne Zweifel zu den besten Winzern der Region! Nach dem Schlucken bleibt neben der süßen Vanille und feinen ätherischen Würze eine wunderbare Salzigkeit. Im Nachhall kommen immer mehr Aromen noch ein zweites Mal selbstbewusst auf die Zunge zurück. Giacomo, mit dem ich probiere, lächelt »It will always come back, whether you like it or not.« Perfektion aus einem anspruchsvollen Jahrgang im Weinberg. Für mich ist der Romirasco wieder einer der verführerischsten Weine des Jahrgangs überhaupt.