Aldo Conterno: Barolo Romirasco 2022
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- Nebbiolo 100%
- rot, trocken
- 15,0% Vol.
- Trinkreife: 2028–2050
- voluminös & kräftig
- tanninreich
- seidig & aromatisch
- Lobenberg: 99–100/100
- Wine Spectator zu 2021: 99/100
- Suckling zu 2021: 96/100
- Galloni zu 2021: 96/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Aldo Conterno, Loc. Bussia 48, 12065 Monforte D'Alba (CN), ITALIEN
Heiner Lobenberg über:
Barolo Romirasco 2022
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Der Romirasco ist mit 410 Metern über dem Meer noch oberhalb der Cru Lage Cicala gelegen und die höchste Lage der großen Amphitheater-Lage Bussia. Schräg im Osten liegt etwas erhöht nur noch die Parzelle, aus der der weiße Bussiador kommt. Der Romirasco besteht zu 80 Prozent aus den ältesten Reben der Conternos, die in manchen Jahren zumindest teilweise dem Granbussia vorbehalten sind. Je 10 Prozent der ältesten Reben aus Cicala und Colonnello kommen zur Granbussia noch dazu. Der Romirasco entstand erstmals im sensationellen Barolo-Jahrgang 2004, als Hagelschäden die separate Abfüllung der dramatisch geringen Mengen Granbussia, des Colonnello und der Cicala sinnlos erscheinen ließ. Das Ergebnis war so überragend, dass der Romirasco nun der meiner Meinung nach beste Wein der Conternos ist. Die Mischung des Bodens besteht aus Kalkstein, Sand, Lehm, Eisen, sehr viel Magnesium, Mangan – er ist also eine gute Mischung aus Colonnello und Cicala. Die größte Lage des Hauses und der mit Abstand würzigste Wein. Manchmal nicht so kraftvoll wie Cicala und auf keinen Fall so verspielt und feminin wie der Colonello, aber immer würzig und ausdrucksstark. Die Traubenschalen werden vier bis fünf Wochen lang mazeriert, also recht lange, in traditioneller Barolo-Machart. Der Ausbau erfolgt dann für 32 Monate im Holzfass. Dieses Muster wurde Anfang Juni auf die Flasche gefüllt, es ist also noch sehr jung. Der Romirasco ist zu Beginn immer der schüchternste Wein von Aldo Conterno – er braucht und verdient daher extra Flaschenreife. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Erhabene, elegante Nase mit tiefgehenden erdigen Aromen und zugleich einer unbeschreiblich schönen, verspielten Duftigkeit von roten-, blauen- und Orangenblüten in herrlicher Intensität. Ich möchte die Nase gar nicht mehr vom Glas wegnehmen! Dieser Wein hat so unendlich viel Charme in seiner duftenden Schönheit! Die Präzision der perfekt reifen Frucht ist herausragend. Erdbeeren, rote Johannisbeeren, ein Hauch Vanille und rote Herzkirschen. Auch im Mund trifft eine saftige rote Kirschwelle mit vielschichtigen braunen Gewürzen und Vanille auf die Zunge. Die vielen Tannine sind reif und geschliffen – sie sind harmonisch in diese opulente, reife Frucht integriert. Der Besuch bei Aldo Conterno am drittletzten Tag meiner Piemont Tour im Oktober 2025 ist einer der Höhepunkte meiner Reise. Dieser Romirasco sorgt mit seiner unglaublichen Eleganz für atemberaubende Spannung auf der Zunge. Für mich ist er einer der besten Weine des Jahrgangs! Er bleibt minutenlang im Mund stehen. Der Jahrgang 2022 ist im Vergleich zum Jahrgang 2021 bei Aldo Conterno zugleich dichter in seiner Frucht, aber im Mund auch linearer. Dieser Wein hat eine echt erstaunliche Präzision, die auf die verführerisch süße Kirschfrucht im Nachhall überleitet. Giacomo Conterno berichtet, dass die Lage Romirasco aufgrund der Böden mit gutem Wasserhaltevermögen besonders widerstandsfähig ist, wenn es zu langen Trockenperioden kommt. Zudem sei das Geheimnis der Größe seines Jahrgangs 2022 die enorm penible Selektion der Trauben gewesen. Auch im Keller wurde anschließend noch einmal rigoros aussortiert. Was nicht den krassen Qualitätsansprüchen des Weinguts genügt, wurde als Fassware abverkauft! Diese Kompromisslosigkeit war in dem herausfordernden Jahrgang 2022 der Schlüssel zur Größe der Weine. Als Belohnung zählt das Weingut Aldo Conterno ganz ohne Zweifel zu den besten Winzern der Region! Nach dem Schlucken bleibt neben der süßen Vanille und feinen ätherischen Würze eine wunderbare Salzigkeit. Im Nachhall kommen immer mehr Aromen noch ein zweites Mal selbstbewusst auf die Zunge zurück. Giacomo, mit dem ich probiere, lächelt »It will always come back, whether you like it or not.« Perfektion aus einem anspruchsvollen Jahrgang im Weinberg. Für mich ist der Romirasco wieder einer der verführerischsten Weine des Jahrgangs überhaupt.
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
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Wine Spectator zu 2021 über: Barolo Romirasco
Intense and packed with black cherry, black currant, blackberry and violet aromas and flavors from the get-go, this stellar red is also laced with iron, black pepper, eucalyptus and tar elements. Brooding and solidly built, yet with a sense of finesse, this is balanced, and the finish just seems to go on and on. Best from 2030 through 2053.
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Suckling zu 2021 über: Barolo Romirasco
Graphite and minerals dominate on the nose, with potpourri, dried cherries, orange zest, wax and licorice. There is a lot of fruit sweetness on the palate, with firm, dusty yet ripe tannins and long, refreshing acidity. Full-bodied, it will age for decades. Try from 2027.
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Galloni zu 2021 über: Barolo Romirasco
The 2021 Barolo Romirasco is exceptionally vivid and finessed. This is one of the finest recent versions I have tasted. Light on its feet and deceptive at first, the 2021 races across the palate with tons of pure energy. Chalk, mint, white pepper, herbs, iron and dried flowers give this mid-weight, structured Barolo gorgeous aromatic presence and perfume. There's just a touch of oak that needs time to integrate. Impeccable.
Aldo Conterno
Die Familie Aldo Conterno produziert schon seit über fünf Generationen Wein. Das Weingut, das im Weiler „Bussia Soprana“ bei Monforte d’Alba liegt, der besten Lage Monfortes und eine der besten Lagen für Barolo überhaupt, verwendet auch heute noch, bzw. wieder, ausschließlich die aus eigenen...