Aldinger: Chardonnay Untertürkheimer Gips Erstes Gewächs 2023

Aldinger: Chardonnay Untertürkheimer Gips Erstes Gewächs 2023

VDP

Zum Winzer

Chardonnay 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2040
voll & rund
mineralisch
Lobenberg: 95–96+/100
Suckling zu 2022: 97/100
Falstaff zu 2022: 95/100
Deutschland, Württemberg
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Untertürkheimer Gips Erstes Gewächs 2023

95–96+
/100

Seit dem Jahrgang 2019 hat Aldinger den Chardonnay Reserve mit seiner Lage bezeichnet, in der er ohnehin schon immer wächst. Es ist eine GG-Lage, allerdings ist Chardonnay in Württemberg (noch) nicht als GG zugelassen, daher die Abstufung als Erstes Gewächs. Dieser Chardonnay ist wieder eine von Aldingers Spezialitäten! Hansjörg und Matthias Aldinger fahren eine Handvoll völlig experimenteller Weine. Württemberg ohne Krawatte sozusagen. Welch Talent und Frische die beiden in den Betrieb bringen ist grandios. Denn das Weingut selbst ist nach wie vor die Nummer eins in Württemberg, hätte solch wagemutigen Spielereien nicht nötig. Und gerade deshalb ist es umso beachtlicher, dass hier die besten Weine der Region entstehen und der Wandel vom Establishment ausgeht. Die großen Weine sind immer die Grenzgänger wie der ungeschwefelte Trollinger Sine, der Spitzensekt aus dem Hause, der vermutlich zur Zeit der beste Schaumwein Deutschlands ist, Sauvignon Blanc aus dem Betonei oder diesen abgefahrenen Chardonnay Reserve. Der Chardonnay wird in 500 Liter Tonneaux spontan vergoren und lange auf der Hefe darin ausgebaut, vor der Füllung liegt er noch etwas im Edelstahl. Schöne reduktive Spannung, ein bisschen im Charakter wie es gerade bei der jungen Garde im Burgund oder im Jura sehr angesagt ist. Bitte keinen »gewöhnlichen« Chardonnay erwarten, das ist schon ein sehr spezielles Teil, sowas haben Sie aus Württemberg wahrscheinlich noch nicht getrunken. Hoher Spannungsbogen in der Nase. Feuerstein, Bleistiftabrieb, irgendwo zwischen Sancerre Silex und Chassagne-Montrachet-Kalk. Wo ist die Frucht? Braucht Aldinger nicht! Auch leicht kreidig-mehlige Anklänge. Im Mund sehr pikant, intensiv, wow, so viel Salz, dass die Augen schmal werden. Nahezu fruchtlos, flüssiger Feuerstein mit Kreide, milde Zitruszesten, Orangenschale. Trotz seiner hohen Energie und reduktiven Spannung ist der Wein auch geschmeidig und zartschmelzend am Gaumen. Hat eine wunderbar ausgewogene Textur, diese Harmonie und Eleganz. Mundwässernd, salzig, griffig, mit toller Gerbstoffstruktur. Dieser flüssige Stein ist für Jura- oder Schäfer-Fröhlich-Trinker sicher ein Heimspiel, alle anderen sollten sich vorher anschnallen. Auch Julian Huber arbeitet mit seinen Chardonnays in diese kargere Richtung. Chardonnay aus Württemberg aber eben ohne Krawatte. Avantgardistisch und absolut großartig!

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

Verkostungsnotiz
97
/100

Suckling zu 2022 über: Chardonnay Untertürkheimer Gips Erstes Gewächs

What a great German chardonnay. Almost perfect balance of restrained ripeness, chalky minerality and super-elegant acidity on the extremely precise, medium-bodied palate. Terrific concentration and finesse at the super-long finish. And it has just 12.5% alcohol. Great aging potential. Drink or hold.

Verkostungsnotiz
95
/100

Falstaff zu 2022 über: Chardonnay Untertürkheimer Gips Erstes Gewächs

Leicht reduktiv im Duft, doch auch bereits mit zitrischen und floralen Untertönen. Der Gaumen definiert sich über Stoffigkeit und einen salzigen Kern, die Körperfülle wirkt erstaunlich dezent und gebündelt angesichts des warmen Jahrgangs. Ausgezeichnetes Potenzial zu würziger Entfaltung.

Mein Winzer

Aldinger

In Fellbach, unweit entfernt von der Landeshauptstadt Stuttgart, befindet sich der VDP-Traditionsbetrieb Aldinger. Das älteste und bekannteste Weingut Fellbachs existiert schon seit 1492.

Chardonnay Untertürkheimer Gips Erstes Gewächs 2023